Dienstag, 4. April 2017

Wie unterscheidet man gute von weniger guten Studios - Teil 2



Im ersten Teil dieser kleinen Serie habe ich darüber geschrieben, dass die eigenen Bedürfnisse zuerst geklärt werden müssen.

Nicht jedes Studio ist gut, aber noch lange nicht jedes gute Studio ist geeignet! 

Ich habe dazu eine  Checkliste zusammengestellt mit meinen ganz persönlichen Kriterien, vielleicht hilft das ja jemandem:

Checkliste für die Tonstudiosuche

Diese Liste ist wohl kaum vollständig. Wenn ich etwas Wesentliches vergessen habe, lass es mich wissen, dann werde ich das noch einfügen. Vielen Dank

Eigentlich ist es nun ein recht einfaches Vorgehen: Priorisiere deine Wünsche und schreibe die Studios an, welche in Frage kommen.

Ein wesentlicher Faktor, welcher nicht auf der Liste steht, ist natürlich die Preisspanne. Wieso habe ich das nicht aufgeschrieben? Ganz einfach - der Preis ist von einigen Faktoren abhängig, welche sich unter Umständen in den Verhandlungen mit den Studios ergeben, massgeblich dem Zeitpunkt der Produktion und deren Dauer.

Je flexibler der Zeitpunkt der Aufnahme, desto mehr Spielraum hat das Studio,. Dann kann es besser Leerzeiten füllen und desto mehr Möglichkeiten hat es bei der Preisgestaltung. Hier ist Verhandeln angesagt.

Sehr schwierig abzuschätzen ist die Dauer, welche die Produktion benötigt. Es gab da mal diese Doku: "One and a half year in the life of Metallica". Ja, da lebte man 18 Monate im Studio und nahm mal eben das schwarze Album auf.
Oder dann gibts da die Geschichte von Coldplay, die nach Abschluss des Albums nicht glücklich waren mit dem Ergebnis und kurzerhand entschieden, alles noch mal neu zu produzieren.
Oder die Herren von Daft Punk, welche sich ihr "Get Lucky" Album mal eben eine siebenstellige Summe haben kosten lassen...

Wenn die erwarteten Einnahmen diese Investitionen rechtfertigen, kann es sehr sinnvoll sein, ein Studio über Monate zu buchen und darin die Kreativarbeit zu vollbringen.

Allen, welche nicht mit der grossen Kelle anrühren können, sei gesagt:

Das Teuerste im Studio ist mangelnde Vorbereitung und fehlendes Können.

Wer keinen Plan hat vom Song, seinen Lines, dem Songtempo oder der geeigneten Tonart, der wird für diesen  Kreativworkshop im Studio tiefer in die Tasche greiffen müssen als ihm/ihr lieb sein wird.

Dazu noch eine kurze Geschichte. Nach einer detailiertern Vorproduktion entschied sich ein Solokünstler bei uns, Drum und Bass von professionellen Studiomusikern einspielen zu lassen. Man budgetierte zwei Tage für die 14 Songs. Den Herren wurde die Vorproduktion inklusive Leadsheets geschickt, zwei Wochen später kamen sie aus Italien angereist. Morgens um 9.00 wurde aufgebaut, Soundcheck, nach dem Mittagessen ging es los. Am Abend des ersten Aufnahmetages war alles im Kasten! Meistens genügten zwei Takes, wovon der Erste dann häufig auch noch der "bessere" war (es handelte sich um Nuancen).
Am zweiten Tag genossen die zwei italienischen Cats eine Sightseeingtour in Zürich und gingen shoppen. Alle waren glücklich und zufrieden. Ohne Stress, dafür geschmackvoll und musikalisch einwandfrei wurden die Popsongs interpretiert. Kaum etwas wurde editiert. Solche Sessions sparen Zeit und viel Geld und das Ergebnis ist häufig besser als wenn man alles in tageleanger Arbeit selbst aufnimmt und sich danach einen Wolf editiert.


Wer Geld sparen will, der investiert seine Zeit in eine genaue Vorproduktion. Diese kann in der DAW, im Proberaum oder wo auch immer stattfinden.

Das Vorgehen beim Songwriting, Arrangement und der Vorproduktion ist aber primär genreabhängig, Diese "Vor-Studio-Zeit" ist aber etwas vom Wichtigsten an der ganzen Geschichte. Ein gutes Studio kennt die verschiedenen Szenarien und kann dich dabei beraten.

Wie unterscheide ich nun gute von weniger guten Studios in diesem Auswahlprozess?

Ein gutes Studio bzw ein guter Studiomanager wird eine klare Vorstellung davon haben, ob die angefragte Produktion bei ihm am richtigen Ort ist oder nicht. Er wird die Fragen, welche aufgrund der Bedürfnisse auftauchen detailiert beantworten können, von der studioeigenen Backline über mögliche Zumietungen von Instrumenten bis zu Übernachtungsgelegenheiten.
Er wird nach dem Zweck, der Besetzung, der Stilrichtung fragen und sich interessiert zeigen an den vorangegangenen Produktionen. Er wird euch gerne auf eine Studiobesichtigung einladen und offen über seine Preismodelle Auskunft geben.
Wenn man sich willkommen und ernst genommen fühlt und die Offerte realistisch ist, dann geht es im Folgenden darum, eine Entscheidung zu fällen. Denn natürlich hat man verschiedene Angebote eingeholt und sich ernsthaft damit auseinandergesetzt...

Über den wesentlichsten Teil der Entscheidungsfindung, nämlich die Person, welche die technische Betreuung  oder aber auch die musikalische Leitung übernimmt, schreibe ich im dritten Teil.