Montag, 21. Mai 2018

Ein Tag im Leben des Bundesbeamten Aemisegger im Jahre 2045

Leon Aemisegger hatte einen sicheren Job. Solche waren begehrt, nachdem die künstliche Intelligenz und die Robotik dazu geführt hatten, dass die allermeiste Arbeit nicht mehr von Menschen erledigt wurde. Aus juristischen Gründen durften jedoch die amtlichen Kontrollorgane ihre Überwachungsfuntkion nur in Ergänzung eines Kontrolleures aus Fleisch und Blut wahrnehmen. Die Rechtskonservativen wollten partout keine Bussen von Robotern bekommen.

Leon Aemisegger war einer dieser wenigen. Er überwachte die Kontrollinstallationen für öffentliche Veranstaltungen. Auf seinen Bildschirmen wurden alle Events des Landes in Echtzeit dargestellt. Video und Ton sowie ein paar andere Daten wurden aufgezeichnet: Infrarot, Rauchmeldedaten, Analyse der Radiofrequenzen sowie natürlich der Schallpegel.

Nach dem Inkrafttreten der neuen Schallschutzverordnung 2018 waren Lokalbehörden und Veranstalter dermassen überfordert, dass der Bund zwei Jahre später beschloss, ein flächendeckendes Kontrollsystem für öffentliche Veranstaltungen einzuführen.

Bei Unregelmässigkeiten leuchtete das Feld der Veranstaltung auf dem Bildschirm rot auf und Leon sah sich die Sache genauer an. Bei kleineren Delikten löste er die automatisch generierte Busse aus, bei schwereren meldete er es der Polizei.

Auch heute sass Leon wieder etwas gelangweilt vor seiner Bildschirmwand, ab und zu leuchtete ein Feld rot auf, aber seine Schicht näherte sich schon bald dem Ende. So ein Vierstunden-Arbeitstag war schon was Nettes. Der Bund hatte aufgrund der hohen Burnout-Rate unter der arbeitstägigen Minderheit eine 28h-Woche beschlossen. Als Nebeneffekt wurden so auch noch mehr Stellen geschaffen. Es war also allen geholfen. Trotzdem hatte Leon Sorge um seine Stelle. Es fanden nämlich immer weniger öffentliche Veranstaltungen statt, seit die Zulassungsbehörde eine weitere Verschärfung der Schallpegel auf 89 dB vorschrieb. Montags hatte er seither immer frei, und manchmal sogar Dienstags.

„Warum tun sie das?“, fragte Gianluca, welcher neben ihm sass und einen Demeter-Grüntee aus lokalem Anbau trank.
Gianluca war sein Assistent diesen Monat. Eigentlich war er völlig überflüssig, aber Leon war froh um etwas Gesellschaft. Das RAV verloste jeden Monat freie Assistenzstellen als Depressionsprävention, eine Win-Win-Win- Situation. Leon war etwas weniger alleine, Gianluca durfte eine Arbeitslosenpause einlegen und die Politik hatte ein „Instrument zur Durchmischung der Gesellschaft“. 
„Man hat herausgefunden, dass Pegel über 89 dB sich negativ auf die Stressresilienz auswirken “, antwortete Leon mild.
„Naja, mir egal, ich war schon lange nicht mehr an einem Konzert“, entgegnete Gianluca und nippte an seiner Tasse. Dann beugte er sich zu Leon und flüsterte: „Also - an einem Öffentlichen.“
Leon warf ihm einen verächtlichen Blick zu.
„Kein Wunder, hast du keine Stelle, bei so einem Lebenswandel“, entgegnete er. „Möglicherweise hast du an deinen privaten Parties sogar Alkohol getrunken, oder … geraucht!“
„Alles legal!“, antwortete Gianluca gereizt, „ich könnte mir mein Max-Havelaar-Koks ja auch in der Drogerie kaufen, wenn ich wollte.“
 „Aha, deswegen macht man ja private Parties, weil es legal ist. Wegen Menschen wie dir funktioniert unser System nicht! Wer sich nicht eingliedern will, soll  auswandern, ich habe dieses Pack satt, welches den Bevölkerungsschutz unseres Landes untergräbt. Egoistische, asoziale Hedonisten seid ihr.“

In der Tat hatte der Staat alle Drogen legalisiert. Die Trennung zwischen privat und öffentlich wurde neu gezogen. Dies war eine Art Ausgleich zwischen den Interessen verschiedener Bevölkerungsgruppen. Persönliche Sicherheitsbedürfnisse wurden mit strengen Auflagen belegt. Wer medizinische Leistungen versichert haben wollte, der musste seinen Lebenswandel durchleuchten lassen und wurde gegebenenfalls von der Versicherung akzeptiert. Die Kassen durften jedoch bei einem Fehlverhalten des Versicherten Leistungen kürzen oder ihn im Wiederholungsfall ganz aus der Kasse ausschliessen. Der Kunde durfte natürlich keine Hochrisikosportarten betreiben, keine Suchtmittel konsumieren, musste genug schlafen und sich im Allgemeinen gesund verhalten. Alle öffentlichen Veranstaltungen hatten strenge Auflagen zu erfüllen, damit sie die Besucher nicht in ihrer Gesundheit gefährden würden. Algorhithmen auf den Smartwatches erfassten alle Tätigkeiten jedes Einzelnen und ermittelte die Risikofaktoren aufgrund dem Gesundheitsmonitoring.  Ruhe- und Bewegungsphasen, Umgebungslautstärke sowie Puls- und Blutdruckwerte wurden permanent überwacht, vierteljährlich musste man bei einem Blutwertautomaten vorbei und den Arm hineinhalten. Das war keine grosse Sache, denn es gab sie überall. Nachdem die Geldautomaten überflüssig geworden waren, ersetzte man diese einfach durch einen sogenannten Medirob.

Es stand jedem Bürger frei, sich entweder einer Krankenkasse
anzuschliessen und die damit verbundenen Auflagen zu erfüllen, oder seine Privatsphäre zu behalten. Dann konnte er zwar tun und lassen was er wollte, war aber nicht versichert. Für Vermögende gab es noch private Kassen, welche eine Ausnahme bildeten. Für sie galten andere Regeln.

Eine Stelle bekam grundsätzlich nur jemand, welcher beim Gesundheitsscreening keiner Risikogruppe angehörte. Wer sich gegen diese Screenings entschied, der hatte auch kaum Chancen auf Arbeit. Um dies abzufedern bekamen unversicherte eine bedingungsloses Grundeinkommen. Man hatte ausgerechnet, dass die dadurch verursachten Kosten geringer waren, da die durchschnittliche Lebenserwartung dieser Gruppe ohnehin tiefer lag. 

„Und wenn du keine Stelle mehr hast, weil es keine Veranstaltungen mehr gibt, weil wir uns zu Tode versichert und beschützt haben? Das Leben ist lebensgefährlich. Und wer nicht auf sich selber aufpassen kann, ist unmündig.“ Gianluca sah ihn ernst an.

„Diese Haltung ist in höchstem Masse undankbar! Jeden Monat stolpert mir wieder so ein weltfremder Fatalist in den Kontrollraum und erzählt mir etwas von seinem ach so bunten Leben! Wieso hast du überhaupt an der Verlosung teilgenommen beim RAV?“

„Ich wollte diesen Kontrollwahnsinn einmal mit eigenen Augen gesehen haben, bevor er sich selbst abschafft. Es ist beeindruckend, wie weit es der Staat getrieben hat. Der Schorsch Orwell würde sich im Grab umdrehen.“

Man hatte sich nichts mehr zu sagen. Um die gespannte Stille zu unterbrechen klickte sich Leon durch die verschiedenen Veranstaltungen auf seinem Bildschirm. Ambiencekakophonie plärrte aus seinen Lautsprechern.

Plötzlich leuchtete ein Feld permanent rot auf. Doch bevor Leon darauf klicken konnte, wurden noch mehr Felder rot. Innert kürzester Zeit war der ganze Bildschirm wie in Blut getränkt. Alarm! Scheinbar auf Kommando wurde in der ganzen Schweiz gelärmt, was das Zeug hielt. „Lärmterroralaaarm!“,Leon griff zum Telefon. Doch Gianluca war schneller. Mit einem Spanset zurrte er Leon an seinem Bürostuhl fest und gab ihm einen Tritt. Leon rollte schreiend von dannen. 

„Das sind aber mehr als 89 dB!“, Gianluca kramte ein Taschentuch hervor und stopfte es Leon in den Mund. „Ihr wohlstandssedierten, sicherheitssüchtigen Bünzlibürger meint wohl, wir überlassen euch das Feld kampflos…“
Danach griff er zu seiner Smartwach und textete: Feiert schön, alles ok hier!

Der Bildschirm tauchte das ganze Büro in ein rötliches Licht. Gianluca ging nachhause und wurde dort später verhaftet.

Die Aktion wurde von der Politik als orchestrierter Sabotageakt an der öffentlichen Sicherheit verurteilt und Gianluca mitsamt seiner Guerilliatruppe der Prozess gemacht. 


Leon erholte sich schnell wieder, allerdings wurde er bald darauf entlassen und seine Funktion automatisiert.

Freitag, 23. März 2018

Ich hab's satt- über die Fettsucht im Tonstudio




Der War of Loudness scheint in letzter Zeit abgelöst worden zu sein durch einen War of Fatness.
Die audiologische Fettsucht macht vor gar nix mehr Halt. 

Fett und verzerrt ertönt es landauf, landab aus den Lautsprechern. Röhren-, Transistoren- und Bandemulationen gehören inzwischen zum must-have im Angebot der meisten Plugin Hersteller und definieren ein neues Zeitalter der Klanggestaltung; Sättigung für alles und jeden.

Vielleicht liegt es daran, dass wir seit ein paar Jahren mit der Lautheitsskala "LUFS" dem War of Loudness einen Riegel schieben konnten.
Es ist eine kühne Theorie, aber ich vermute, dass man mit Sättigung - also der Anreicherung des Originalsignals mit harmonischen Obertönen - mehr "Druck", mehr "Lautheit" erzeugen kann ohne im selben Masse technisch höhere dB Werte zu erzeugen und damit den LUFS-Wert zu erhöhen.
Im besten Fall führt das zu einem höheren Musikgenuss, im schlechteren Fall wird einfach verzerrt um der Lautheit willen, und das finde ich absurd. 



Die Streamingplattform Spotify hat erst vor einem halben Jahr die Pegel aller Streamings von -11 LUFS auf -14 LUFS reduziert  und sich damit den anderen Anbietern angeglichen. 
(YouTube -13 LUFS, Tidal -14 LUFS und Apple Music -16 LUFS) - dynamisch ist das neue laut? Nicht ganz. Wer will denn schon die ganze Zeit am Volumeregler rummfummeln beim Musikhören...Abhilfe bei der Durchsetzungskraft des Stückes bringen obgenannte Plugins, welche inzwischen nicht mehr aus der DAW wegzudenken sind.

Der Brickwall-Limiter am Ende der Kette wird dadurch entlastet, der Mix wird nicht unnötig von den Streamingdiensten heruntergerechnet, damit er den LUFS-Vorgaben entspricht. Mehr Druck mit weniger hohem Crest-Faktor. Das ist in etwa meine Vermutung. Ich lasse mich übrigens gerne belehren, wenn es ein Irrtum wäre. Koinzidenz und Korrelation seien ja zwei verschiedene Dinge...

Natürlich kann, ja muss man Sättigung als Stilmittel betrachten. Vielleicht werde ich einfach nur alt, aber manchmal denke ich mir schon - musste das jetzt sein? Andauernd verzerrte Stimmen, Bässe, Loops so weit das Ohr reicht. 
Muss denn immer alles larger than life sein? Ich gebe zu, ich finde die Audiofettsucht zwar das kleinere Übel als eine Lautheit mit Crestfaktor ≃ 1, aber es gibt ja noch etwas zwischendrin. Etwas zwischen dem blutleerbleichen -  und dem Superadipositas Mix.

Ich bin genauso Fan von Sättigungseffekten wie ich ein scharfes Thaicurry mag. Das soll dann mal so richtig scharf sein - gerne. Aber nicht jeden Tag; erstens veröden dann meine Geschmacksnerven und zweitens ist scharf nur in Abwechslung mit anderen Geschmäckern lustig. 
Verzerrt gezielt! Ich bin froh um die neuen Tools, aber nicht jeder fettsüchtige Mix klingt automatisch so wichtig, wie er tut.


Montag, 5. März 2018

No Billag ist Geschichte

Nun, da die Abstimmung vorbei ist, möchte ich es nicht versäumen, mir ein paar Gedanken über die Medienlandschaft zu machen:

Wie soll es weitergehen?

Hier meine Vorschläge:


Politisch:
Von der Billag werden wir nächstes Jahr keine Rechnung mehr bekommen, da der Auftrag der Gebührenerhebung vom Bund neu vergeben wurde. Sinnvoller jedoch wäre aus meiner Sicht das niederländische Model, welches die Einkommensverhältnisse der Konsumenten berücksichtigen würde. Sozialhilfebezüger gehören gebührenbefreit.
Der Auftrag an die SRG muss differenzierter sein. Private Medienunternehmen sollen mehr Mittel bekommen (z.B. 10% statt derzeit 6%), damit verbunden sollen sie jedoch auch einen geschärften Auftrag erhalten, zum Beispiel im Bereich der Regionalinformation.
Onlinewerbung soll besteuert werden. Die Pfründe von fb, google etc dürfen guten Gewissens angezapft werden, schliesslich bezahlen wir ja mit unseren Informationen dafür.

Betrieblich:
Die SRG seinerseits hat jahrelang das Geld mit vollen Händen ausgegeben. Manchmal kam es mir fast so vor, wie wenn man Armee-like die Munitionsration verschiessen müsste, um im nächsten Jahr wieder gleich viel zu erhalten. Die goldenen Jahre sind wahrscheinlich vorbei, doch vor allem in strategischen Fragen sollten Investitionen gut geprüft werden. Wer interessiert sich noch für DAB, wenn in gleicher Qualität Radio gestreamt werden kann?

Z.B. 4k Produktionen werden zwar mittelfristig nicht teurer sein als HD, doch die Infrastruktur für die Distribution in Echtzeit ist überflüssig. Nur weil etwas technisch machbar ist, heisst das noch lange nicht, dass es sinnvoll sei. Der technische Fortschritt sollte primär zur Konsolidierung der Kosten genutzt werden und nicht zu aufwändigeren Produktionen führen.

Das tpc soll aus der Knechtschaft der SRG entlassen werden. Wer behauptet, das tpc arbeite nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen soll sich einmal die überschaubaren Referenzen auf der Homepage anschauen. Produktionsaufträge der SRG sollen öffentlich ausgeschrieben werden.
Hier ist einerseits Sparpotential vorhanden, andererseits würde die Transparenz gefördert.

Distribution:
Alle Inhalte sollen online abrufbar werden. Ausser bei Nachrichten und Sportsendungen ist die Echtzeitverbreitung von Inhalten sekundär. Das Archiv- und Rohmaterial soll zumindest privaten Medien, Universitäten und Forschern zur Verfügung stehen.

Inhaltlich:
Gewisse Produktionen aus den verschiedenen Landesteilen sollen untertitelt, synchronisiert oder zumindest in den anderen Sprachen verwertet werden, so wie das der Kassensturz regelmässig mit dem welschen Konsumenten-TV macht.

Die grösste Herausforderung wird wohl sein, "ausgeglichen" zu informieren - wie dies die Verfassung fordert. Die zweitgrösste "den kulturellen Zusammenhalt fördern". Oder umgekehrt - wie will man solches schon messen?

Meine Fragen:
Eine Frage an Journalisten: Welche harten Parameter sind für eine Berichterstattung vorhanden, welche diese in ihrer Relevanz, Objektivität und Wahrhaftigkeit einordnen lassen können?
Provokativ gefragt, jeder Kühlschrank hat ein Energielabel, wieso hat Journalismus keines?

Donnerstag, 25. Januar 2018

Zu verkaufen: Öffentliche Meinung an bester Lage


Seit ein paar Wochen treibt mich ein Thema um, welches mich mehr politisch als tontechnisch beschäftigt, das jedoch sehr handfeste politische Konsequenzen haben kann: Die Abschaffung der öffentlich-rechtlichen Medien in der Schweiz. Am 4. März 2018 stimmt das Schweizervolk über die Abschaffung jeglicher Rundfunksteuern in der Schweiz ab. In Deutschland bezahlt jeder "beitragsschuldige Inhaber einer Wohnung" rund 210 Euro pro pro Jahr in einen Topf. Mit etwa 8 Mia. Euro betreiben die Deutschen rund 22 TV Kanäle, 67 Radiokanäle und viele Onlineangebote. Rund 25'000 Arbeitnehmer werden hierbei beschäftigt.

In der Schweiz bezahlt jeder Haushalt ca 400 Euro pro Jahr, die ca 1.1 Mia Euro fliessen zum grössten Teil in die SRG - ein privatrechtlicher Verein mit öffentlichem Auftrag (was im Endeffekt für den Zuschauer einer öffentlich-rechtlichen Anstalt  gleichbedeutend ist -  die Schweizer nennen das "service public"), jedoch bekommen von diesen Gebührengeldern auch viele kleine Regionalsender einen Teil ab.
Die Gewerkschaften berechneten, dass von einer Abschaffung der Gebührenpflicht 13'000 Stellen im Medienbereich betroffen wären, 6000 Stellen alleine bei der SRG.

Deutschland ist mit der Höhe der Beitragspflicht eher am unteren Ende im europäischen Vergleich, die Schweiz klar an der Spitze. Jeder Zahlende fragt sich automatisch, wenn er die Rechnung bekommt, für was er da jetzt nun genau bezahlt. Am meisten fragen sich das diejenige Personen, welche gar keine Sendungen konsumiert haben. In Deutschland wurde deswegen geklagt und im Oktober 2017 gab ein deutsches Gericht erstmals einer Klägerin Recht nach dem Grundsatz "Keine Leistung - keine Bezahlung". Die Debatte über Sinn und Zweck öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten ist also nicht nur in der Schweiz im Gange, sie wird wohl früher oder später auch im gesamten europäischen Raum zum polarisierenden Politikum werden.

Die Frage ist auch für diejenigen berechtigt, welche das Programm konsumieren. Für was bezahlen wir hier eigentlich? Ich kann ja keinen direkten Einfluss nehmen auf das Programm. Nützt mir ja auch nichts, wenn ich bei ARD und ZDF in der ersten Reihe sitze, das Gebotene aber langweilig bis überflüssig finde.

Die öffentlich-rechtlichen Sender haben also seit dem aufkommen der Privatsender -zumindest teilweise- ein Legitimationsproblem, welches sich akzentuiert, je mehr Gratisangebote im Rundfunk, im Netz oder als Zeitung auftauchen. Unterhaltung ist Unterhaltung, und Information ist Information, egal woher, egal von wem. So einfach ist es. Nicht.

Es geht eigentlich um Folgendes: Wer entscheidet darüber, welche Informationen verbreitet werden- und welche totgeschwiegen? Und Zweitens: Wie werden diese Nachrichten interpretiert, gewertet, eingeordnet? Meinungsmache à la Foxnews? Das wäre Gift für die direkte Demokratie, denn diese setzt Kompromissfähigkeit und Konsensbereitschaft voraus. Aufgeklärte, umfänglich informierte Bürger, welche in konsensorientiertem Ton über eine Sache debattieren und einen politischen Kompromiss suchen. Will man hingegen die öffentliche Meinung effektiv manipulieren, dann muss man die Medien kontrollieren und filtern.

Das ist alles nicht neu. Das wusste schon der Adolf und sein Joseph Goebbels. 1933 schränkten sie die Medienfreiheit ein, brachten den Hörfunk unter ihre Kontrolle und verkauften nur noch Radios, welche genau diesen einen Sender empfangen konnten. Wer an der Radioelektronik herumfummelte um andere Sender ("Feindsender") zu hören, dem drohte Zuchthaus oder gar die Todesstrafe.

Der Nazi-Propagandamaschine verdanken wir nicht nur die Bandmaschine und Röhrenmikrofone, sondern auch die Einsicht, dass gleichgeschaltete Medien ein unglaubliches Manipulationspotential haben.

Das Gegenteil von Propaganda ist wohl Aufklärung, "objektive" Information als Hilfe zur freien Meinungsbildung, pro und kontra eben. Genau diesen Informationsauftrag haben die öffentlich-rechtlichen Sender. In der Schweizer Gesetzgebung steht das folgendermassen: (Hier der Link)

Konzession
für die SRG SSR idée suisse
1
(Konzession SRG)
vom 28. November 2007 (Stand 1. Oktober 2017)
Der Schweizerische Bundesrat,
gestützt auf Artikel 25 Absatz 1 des Bundesgesetz vom 24. März 2006über Radio und Fernsehen (RTVG)
und in Ausführung der Radio- und Fernsehverordnung vom 9. März 2007(RTVV),
erteilt der SRG SSR idée suisse (SRG) die folgende Konzession:
1. Abschnitt: AllgemeinesArt. 1 Konzessionärin und Gegenstand
Die SRG veranstaltet nach den Vorschriften des RTVG, der RTVV und dieser Konzession Radio- und Fernsehprogramme und erbringt weitere Leistungen im übrigen publizistischen Angebot.
Art. 2 Programmauftrag
Die SRG erfüllt ihren Programmauftrag in erster Linie durch die Gesamtheit ihrer Radio- und Fernsehprogramme; die Programmleistungen werden gleichwertig in allen Amtssprachen erbracht.
In ihren Programmen fördert sie das Verständnis, den Zusammenhalt und den Austausch unter den Landesteilen, Sprachgemeinschaften, Kulturen, Religionen und den gesellschaftlichen Gruppierungen. Sie fördert die Integration der Ausländerinnen und Ausländer in der Schweiz, den Kontakt der Auslandschweizerinnen und -schweizer zur Heimat sowie im Ausland die Präsenz der Schweiz und das Verständnis für deren Anliegen. Sie berücksichtigt die Eigenheiten des Landes und die Bedürfnisse der Kan- tone.
Innerhalb des vorgegebenen programmlichen und finanziellen Rahmens berücksich- tigt die SRG die unterschiedlichen Anliegen und Interessen des Publikums.
Die SRG trägt bei zur:
  1. a)  freien Meinungsbildung des Publikums durch umfassende, vielfältige und sachgerechte Information insbesondere über politische, wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge; 
  2. b)  kulturellen Entfaltung und zur Stärkung der kulturellen Werte des Landes so- wie zur Förderung der schweizerischen Kultur unter besonderer Berücksich- tigung der Schweizer Literatur sowie des Schweizer Musik- und Filmschaffens, namentlich durch die Ausstrahlung von veranstalterunabhängigen Schweizer Produktionen und eigenproduzierten Sendungen; 
  3. c)  Bildung des Publikums, namentlich durch die regelmässige Ausstrahlung von Sendungen mit bildenden Inhalten; 
  4. d)  Unterhaltung. 
2 3
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19073; 2013 3291 2016 59; 2016 4645; 2017 5821
BBl 2007 8557, 2008 5779, 2009 4811 6829, 2010 7913; 2011 7967; 2011 7969; 2012 SR 784.40
SR 784.40120071789 1

Konzession SRG SSR
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Damit soll verhindert werden, dass diese Medien für andere Zwecke missbraucht werden. Im Gegensatz zu den privaten Medien sind diese öffentlichen Medien also strengen Kriterien in punkto Ausgewogenheit unterworfen. Wenn sie diese Kriterien nicht erfüllen, dann hat man als freier Bürger verschiedene Möglichkeiten, gegen die Berichterstattung zu klagen. Zuerst kann man sich an die Ombudsstelle der SRG wenden. Wer einmal Zeit und Lust hat, darf sich da gerne die Klagen und die Antworten dazu ansehen (Am spannendsten sind übrigens die Schlussberichte). Man darf ob der Fülle von Reklamationen behaupten, dieses Instrument sei den Schweizern bekannt. Im Durchschnitt flattert knapp eine Beanstandung pro Tag herein. In rund 20% der Fälle gibt der Ombudsmann den Klägern teilweise oder vollständig recht und es kommt daraufhin zu einer öffentlichen Richtigstellung und/oder Entschuldigung.

Funktioniert doch, alles wunderbar!

Leider nicht. Offensichtlich hat der finanzielle Druck auf Herr und Frau Schweizer dermassen zugenommen in den letzten Jahren, dass man die Initiative für eine de facto Abschaffung dieser Institutionen problemlos zustande brachte. Mit nur 100'000 gültigen Unterschriften kommt eine Vorlage in unserem kleinen Land "vor das Volk", so geht direkte Demokratie in der Schweiz.

Und hier, genau hier liegt der Hund begraben. Ein Land welches per Volksabstimmungen theoretisch  die Todesstrafe wieder einführen oder einen Krieg anzetteln könnte- der Fantasie seien keine Grenzen gesetzt - so ein Land ist auf verantwortungsvolle Bewohner angewiesen. Mündige Bürger. Menschen mit Vernunft, welche den Konsens suchen, den berühmten gutschweizerischen Kompromiss zustande ringend und bringend. Und es braucht Menschen, die sich nicht über eine versprochene Einsparung von 400 Euro im Jahr zur Abschaffung der wichtigsten Quelle objektiver Information verführen lassen.

Wenn aber das soziale Gefälle zunimmt, dann werden die weniger Wohlhabenden empfänglich für destruktive Initiativen wie "no-Billag", deren Konsequenzen weit über die eingesparten 400 Euro pro Haushalt hinausgehen.

Wenn man diesen Menschen die einzigen Medien, welche per Gesetzt zur Objektivität verpflichtet sind, entzieht, dann wird nicht mehr der Konsens gesucht, sondern dann wird polarisiert.



Das beste an der Initiative ist wohl die Debatte über unsere Medienlandschaft und deren Wert in einer Demokratie. Ich persönlich hoffe auf eine klare Ablehnung der Initiative - die SRG wird nach dem 4. März sowieso nicht mehr dieselbe sein wie vorher, die Debatte selbst war schon Kritik genug. Vielleicht reicht sie sogar aus, die zukünftige Medienlandschaft der kleinen Schweiz politisch so zu gestalten, dass wir nicht völlig vergoogelt und facebookisiert werden. Filterblasen begegnet man am besten mit der Schwarmintelligenz einer unabhängigen Institution. Oder hat jemand eine bessere Idee?





Sonntag, 7. Januar 2018

Meine beste Entscheidung seit langem

Es mutet anachronistisch an, oder womöglich gar sentimental: Ich habe mir eine analoge Konsole gekauft.
Vor einiger Zeit habe ich euch gefragt, was für eine analoge Konsole ihr euch kaufen würdet, wenn Geld keine Rolle spielte. Keine grosse Überraschung war, dass die Neve, SSL, MCI oder (die von Übervater Rupert gebauten) Focusrite Pulte an erster Stelle erschienen. Weiter wurden auch wenig überraschend API, Trident, Helios oder auch Studer genannt.

Leider spielt Geld aber eine sehr wichtige Rolle, und so kamen die obgenannten Marken nicht in Frage. Ich gebe gerne zu, dass ich mich deswegen schon vor längerer Zeit vom Gedanken verabschiedet hatte, eine analoge Konsole in mein Studio zu stellen. Nicht in Frage kam für mich eine digitale Livekonsole, oder eine analoge Livekonsole. Rauschen können Plugins ja auch, bei Bedarf.

Die Konsole sollte mindestens so gut sein wie meine  Rackpreamps, soviel war klar. Die Avid C24 arbeitete bis anhin zuverlässig als Controller, aber alles an diesem "Pult" was auf analoger Seite geschah, war für meine Ansprüche seit je her ungenügend - mit Ausnahme der wunderbaren Talk Back Funktion.
Ich hatte mir im Laufe der Zeit ein paar schöne Preamps zugelegt, mit denen ich wunderbar aufnehmen konnte - es gab also keinen triftigen Grund, an diesem Setup etwas zu ändern.
Da ich aber mehrmals die Woche an Livemischpulten arbeitete, vermisste ich in meinem Studio ein paar ganz wesentliche Dinge: Struktur, Übersicht, sprich einen schnellen Workflow.

Weiter stellte sich die Frage nach ein paar weiteren Preamps, analogen EQ's, einem analogen Summing und nicht zuletzt einer schnellen (!) Möglichkeit, mein analoges Outboard einzubinden. Das Budget mit gut 6'000- 7'000 Euro war zwar nicht superklein, aber es fehlte halt doch noch eine Dezimalstelle oder zwei, um ein Pult der oben genannten Marken erwerben zu können, je nachdem, ob man sich für einen Gebrauchtkauf oder einen Neukauf entscheiden würde.

Auch klar war mir, dass es eine gebrauchte Konsole in gutem Zustand sein musste - ich hatte echt keinen Bock, die nächsten paar Jahre mit einem Elektronikworkshop zu verbringen.

Mein Freund Lukas brachte mich auf die Idee: CADAC! Was für Freddy Mercury, die Scorpions oder Andrew Lloyd Webber gut war, konnte für mich ja nur recht sein. Diese Künstler und natürlich viele mehr hatten im Studio und Live auf diese Produkte vertraut. Mein Tonkollege Dani Dettwyler von ideeundklang arbeitet mit einer G-Type von CADAC und scheint davon auch restlos begeistert zu sein.

Lukas hatte sich eine J-Type gekauft und dank seinen Programming-Skills ein Steuerungsprotokoll programmiert, damit er die Konsole aus seiner DAW heraus steuern kann. Hier lag schon einmal ein entscheidender Vorteil von Cadac: Die J-Type gibts als total recall Version. Es ist keine deziedierte Studiokonsole. Das Inline Konzept ist ihr fremd. Es gibt auch keinen Masterbus. Es gibt "nur" 16 Busse und 32 Matrixausgänge - je nach Konfiguration. Diese ist nämlich voll modular, es gibt Frames zwischen 24 und 63 Slots - und wem das nicht reichen würde, könnte mehrere Frames auch noch kaskadieren!
Es gibt verschiedene Einschübe: Mono- und Stereo oder Dualinputchannels, Bus- und Matrixmodule, Auxmodule, Logikmodule und noch einige mehr. Es ist auch keine klassische Livekonsole, denn eine J-Type kostete neu im sechsstelligen Bereich - und klang auch so. Nein, das J-Type ist eine Theaterkonsole -  quasi eine Livekonsole mit Studiospezifikationen. Dieser Industriezweig ist zumindest in der Schweiz unbekannt, denn Theater touren hier eigentlich nicht. In England wurde das Equipment klassischerweise von einer Produktion gekauft und ging dann mit ihr auf Tour.

Für mich waren folgende Punkte wichtig:

1. Der Klang sollte qualitativ im Feld meiner Lieblingspreamps liegen: Noch nie hatte ich eine Live Konsole mit einem THD von  0.009% @ 1kHz, (10dB gain, +4dBu), mit 105dB Rauschabstand und einer Phasenabweichung von max. 9 Grad bei 20 Hertz gesehen. 

Übersetzt heisst dasin etwa: unverfärbter Klang, direkte Bässe und sehr, sehr wenig Rauschen. Das sind heutzutage keine Traumwerte, aber es zeige mir mal jemand eine andere analoge Konsole in dieser Preisklasse mit diesen Werten.

2. Kompakt und übersichtlich sollte meine Konsole sein. Was ich an analog immer geliebt habe: ein Blick aufs Pult und alles ist klar, das gilt auch hier, jeder EQ, jeder Filter und auch die gesamte EQ-Sektion sowie alle 12 (!) Auxwege lassen sich einzeln ein- und ausschalten. Alle aktivierten Kreise werden mit einer dezenten Status-LED angezeigt. Kompakt bedeutet: auf gut 1.2m finden in meiner Konfiguration 36 Preamps und eine Mastersektion bequem Platz.

3. Die Einbindung auf meine Patchbay und das Pro Tools System soll problemlos möglich sein. Dies ist aufgrund aller vollsymmetrierten Ein- und Ausgänge mit XLR und Jack- Buchsen problemlos möglich und schnell bewerkstelligt.

4. Das Budget muss eingehalten werden - was soll ich sagen:-)

5. Servicefreundlichkeit und Zugang zu Experten. Channels sind hot-swapable, absolut geräuschlos. Alle IC's sind gesockelt. Das Design der Platine ist quasi mustergültig. In der geschlossenen Facebook-Gruppe "Cadac Desks" tummeln sich andere Studiobetreiber und ehemalige Ingenieure der Firma.

6. Weniger profan als es klingt: Man muss das Pult ein- und ausschalten können, ohne dass sich aufgrund der Hitzeenwicklung das Frame verbiegt und Wackelkontakte auftreten.
Dazu eine kleine Anekdote: Vor Jahren hatte ich einmal eine 56 Kanal Konsole eines anderen Herstellers im Studio. Da dieser empfahl, die Konsole grundsätzlich immer in Betrieb zu halten wegen dieses Problems, war es in der Regie immer kuschlige 30 Grad warm - trotz laufender Klimaanlage. Die Stromrechnung nach einem Quartal war dann rund 3'000 Euro höher als vorher - denn nicht nur die Konsole blieb ab dem Moment dauernd in Betrieb, sondern natürlich auch die Klimaanlage ohne welche man es gar nicht mehr ausgehalten hätte in der Regie.



All diese Kriterien werden von der J-Type problemlos erfüllt. Auch wenn nun in meinem Studio kein prolliges SSL oder Neve steht profitieren meine Produktionen nun von all den Vorteilen, welche die Cadac bietet, und der Spass, welcher beim Mischen ohne Maus entsteht, der ist unbezahlbar.

Ironischerweise las ich drei Monate nach dem Kauf diesen Artikel im TapeOp, für alle, die des Englischen mächtig sind und noch eine weitere Meinung lesen möchten.

Samstag, 28. Oktober 2017

Plugin Jahrmarkt


Man stelle sich einen Jahrmarkt vor mit Plug in Herstellern.

McDSP, Izotope, Avid, Eventide, Waves und wie sie alle heissen, haben ihren Marktstand aufgebaut und bieten ihre Software feil. Wirklich Neues ist zwar kaum zu entdecken, aber hunderte, wenn nicht tausende von digitalen Klangwerkzeugen stehen zur Auswahl. Schön der Strasse entlang aufgereiht stehen die Stände mit den überdachten Holztischen und bieten die Produkte in aufwändigen Verpackungen an. Es duftet nach Glühwein, Marronie und Bratwurst, und dank des sonnigen Herbsttages ist die Stimmung unter den zahlreichen Besuchern gut und fröhlich.

Doch irgendwie verhalten sich die Verkäufer unruhig. Die Geschäfte scheinen nicht so zu laufen wie noch vor ein paar Jahren und echte Innovationen sind rar. Die meisten bieten seit langem dieselben Produkten an, und der Markt wirkt langsam gesättigt. "Noch einen anderen EQ kaufen? Den zweihunderdsten Kompressor installieren?", fragen sich die Leute - denn die Plugins gleichen sich wie ein Ei dem anderen.

Nur bei Waves drängeln sich die Leute und kaufen ein Produkt, von welchem bis anhin noch niemand etwas gehört hatte. Es nennt sich Waves Update Plan und verspricht, dass die Plugins immer aktuell und stabil bleiben bei System oder Plattformupdates. So eine Art Servicevertrag für alternde Plugins.
Der Clou: Wer den Serviceplan nicht kauft, wird seine Plugins irgendwann nicht mehr benutzen können, da es aktuelle Treiber natürlich nur noch für die neuen Versionen geben wird. Diese zu entwickeln, das kostet, und das soll auch bezahlt werden - so das Argument.
Und weil das Geschäft so gut läuft gibts auf dem Jahrmarkt nun noch einen Sonderrabatt für das nächste Produkt, welches der Käufer in Zukunft erwirbt.

Die anderen Marktstände sind nicht erfreut über diese Art der Kundenbindung. Kurzerhand beginnt einer zu schreien: "BIS DIE SONNE UNTERGEHT, BEKOMMT IHR BEI UNS ALLES ZUM HALBEN PREIS!!"

Der käufige Mob bewegt sich schnell zum besagten Stand und fegt diesen buchstäblich leer. Die anderen Verkäufer sind verdattert. Sogleich beginnt der nächste zu rufen: "DREI FÜR ZWEI!"...

Innert wenigen Minuten machen die Marktschreier ihrem Namen alle Ehre. Die Rabattschlacht hat begonnen. 40%, 50% - ja bis 80% Rabatt werden geboten, um die alten Ladenhüter an den Mann zu bringen.

Der Stand von Avid hat eine besonders glorreiche Idee, welche er von Adobe abgeschaut hat und ruft:"KAUFEN WAR GESTERN!! MIETEN IST HEUTE! IHR KÖNNT ALLES HABEN, AAAAALLLLEESS, FÜR NUR 7 DUKATEN PRO MONAT."

Und so vergessen die Besucher allmählich, was sie eigentlich schon besitzen. Sie kaufen und mieten wie wild Dinge, die sie eigentlich gar nicht brauchen, denn soo billig war es noch nie.
Auch die Diebe, welche sich im Park hinter dem Markt im Gestrüpp versteckt haben, um ihre Raubkopien zu verscherbeln, ärgern sich. Die Originale sind inzwischen so billig, dass sich nur noch wenige getrauen, instabile Kopien zu kaufen - zumal  die Sicherheitsvorkehrungen mit jedem update immer mühsamer zu umgehen sind.

Der Tag neigt sich langsam zu Ende, die Sonne nähert sich dem Horizont. Die Verkäufer wissen, dass sie nicht ein Jahr warten können, bis sie wieder gute Geschäfte machen. Da beschliesst einer: "Morgen ist wieder Jahrmarkt! Kommt nochmal vorbei, wir werden morgen noch bessere Angebote für euch haben!" Sogleich schliessen sich die restlichen dem Kanon an.

Und so schreien uns die Plugin Hersteller seit Jahren ihre Sales entgegen. Zum Glück nicht auf einem Jahrmarkt sondern im Web. Der Lärm wäre sonst nicht zu ertragen...

Sonntag, 13. August 2017

Die Backschale

Mein langjähriger Freund Elias ist mir immer wieder ein Rätsel. Kenntnisreich aber sehr bescheiden überrascht er mich ab und an mit Dingen, welche man in keinem Lehrbuch findet (die dort aber dringend hineingehörten). Er ist nicht nur kenntnisreich, er ist Experte - zum Beispiel im Umgang mit UHF-Mics. Er ist jedoch nicht nur bescheiden, ja, ich würde fast sagen er sei etwas scheu. Selbst wenn ich ihn mit vollem Namen google finde ich nichts über ihn - bis auf einen fundierten Bericht in einem englischsprachigen Onlinemagazin, worin er Auskunft über Frequenzmanagement gibt. Andere würden sich brüsten damit, am Wacken Open Air über tausend Funkstrecken zu koordinieren, bei ihm aber reduziert sich diese Aussage zu einer Fussnote, wenn er mit mir über seine Evaluation verschiedener Frequenzmanagementsysteme spricht.
Letzthin auf einem Job sah es bei seiner UHF-City aus wie bei einem Cateringservice. Überall Backschalen.  Bereitgelegt um mit leckeren Zutaten befüllt zu werden.
Das Crew-Catering im Zürcher Hallenstadion hatte sich in den letzten Jahren zwar laufen verbessert, doch dürfte man behaupten, auch dieses verfüge noch über ein gewisses Verbesserungspotential. Dass sich mein bescheidener Freund nun jedoch stageleft ein persönliches Barbeque gönnt, hielt ich dann doch für etwas versnobbt. Ich nehme ja auf solche Jobs inzwischen auch meine eigene Kaffeemaschine mit, aber einen Grill?
Den konnte ich auch nicht entdecken, nur Backschalen. "Eliaaaas? Du sag mal, diese Backschalen??..."
Seine lapidare Antwort: "Frequenzband aufräumen"

Nun begann eine kleine Lektion in Funktechnik.
Wie wir ja alle wissen, beeinflussen sich mehrere Funkfrequenzen gegenseitig. Es entstehen bööööse Nebenbänder: Intermodulationen.

Eine einzige Frequenz auf weiter Flur ist dabei unproblematisch. Die Intermodulationen der Frequenz (f) bestehen dann einfach aus den vielfachen (2(f), 3(f) u.s.w.) derselbigen und stören den Betrieb der einen Frequenz (f) nicht weiter.

Sendet man auf zwei verschiedenen Frequenzen, wird es etwas komplizierter, jedoch bleiben die Intermodulationsprodukte noch einigermassen überschaubar. Ich hab das mal skizziert:




Etwas mühsam wird es dann mit drei oder mehr Frequenzen:
Unter folgendem Link kann man zwei oder drei Frequenzen eingeben und die Intermodulationsprodukte werden dann aufgelistet:

http://www.arcticpeak.com/radiopages/intermodulationproducts.htm


Die wenigsten von uns nutzen auf einer Bühne jedoch nur drei Funkfrequenzen für ihre Mics und In Ears und deswegen sieht dann ein Frequenzscan im UHF Bereich mit mehreren Mikrofonen schnell einmal sehr unfreundlich aus:




Die Trägerfrequenzen und die Intermodulationen kommen sich hier schon gefährlich nahe!! Ausfälle drohen. So ein Chaos aber auch...

Nun, wir haben bis jetzt immer von Frequenzen gesprochen, aber nicht von der Magnitude. Die Frequenzkinderchen werden nämlich besonders gross und starch wenn Papi- und Mamifrequenz sich räumlich sehr nahe stehen. Praktisch gesagt also genau dann, wenn sie nicht auf der Bühne sind sondern auf der Seite der Bühne auf ihren Einsatz warten. Meistens an einem zentralen Ort, damit man sie immer griffbereit hat.

Und dort entstehen die fetten Frequenzbälger. Intermodulationen sind in ihrer Stärke davon abhängig, wie nahe zueinander die emitierenden Sender sind.
Das kann man sehr einfach ausprobieren, indem man zwei Funkmikrofone nebeneinanderhält und auf einem dritten Sender in einem nahen Bereich der ersten beiden auf Empfang geht. Je näher man sie zusammenhält, desto mehr schlägt der dritte Empfänger aus.

Viel Spass dann mit 24 Funkstrecken oder mehr...

Wie dem auch sei. Wer sein Frequenzchaos neben der Bühne im Griff haben will, der benutze:
Ta- Daah: die Backschale:




Die Sendefrequenzen werden so wirksam voneinander abgeschirmt.

Der Frequenzscan von oben war ohne Backschalen, der folgende mit; gleiches Setup, ganz einfach vorher/nacher:




Deutlich zu erkennen ist, dass die Originalfrequenzen immer noch perfekt empfangen werden können. Die Nebenbänder sind jedoch gar nicht mehr als solche erkennbar.

Hier noch eine kleines ABER: Wer denkt, mit Aluschalen müsse man kein sauberes Frequenzmanagement betreiben, irrt.
Die Frequenzverteilung muss natürlich genau gleich sauber erfolgen wie früher, die Backschale hilft nur, den Empfang der verwendeten Frequenzen sicherzustellen, während andere Sender noch in der UHF-City warten.

Danke dir, Elias!


Ich denke, diese Praxis kann unsereinener schnell einmal den Arsch retten, wenn auf einer Produktion wieder einmal dutzendweise Handsender auf der Bühnenseite bereitliegen.




Sonntag, 18. Juni 2017

Wie unterscheidet man gute von weniger guten Studios? 3. Teil

Mal was anderes als Studiofotos. Ich mag Alpenpanoramen im Gegenlicht.


Kinder, Kinder, ich sags euch... dieses Thema auf Blogpostlänge einzudampfen ohne nicht gerade den Informationsgehalt der BILD-Frontseite zu unterschreiten ist die bis jetzt wohl grösste Herausforderung in meinem Bloggerdasein. Meine Fresse hab ich mir jetzt den Kopf zerbrochen wie ich das schreiben soll.

Das Problem dabei ist, dass es so viele individuelle Bedürfnisse an Studios gibt, wie es Bands oder Projekte gibt. Anderseits gibt es aber auch sehr klare Kriterien, welche ich nun versuche aufzuzählen.

Gierig nach Gear:
Ein gutes Studio wahrt die Verhältnismässigkeit in den Investitionen und setzt nicht auf Effekthascherei. Es nützt nichts, wenn die billigen Mikrofonständer schon beim Anblick der schweren Röhrenmikrofone zusammenbrechen. Es bringt nichts, wenn da wunderbares Outboard vorhanden ist, aber das Routing über eine Eigenbaupatchbay der Marke "My first Lötkurs" stolpert.
Es bringt nix, wenn die schöne Hammond in der Ecke ihren letzten Ölwechsel in der Hippie-Ära hatte.
Es ist fies, aber wieso ein gutes Studio teuer ist, das sieht man nicht auf den ersten Blick. Angefangen beim Stromdesign (saubere Erdung, fetter Nullleiter etc) über eine gute Akustik ("the Millionengrab"), bis hin zu einer sauberen Audioverkabelung sind viele Dinge, die wirklich Geld kosten, in den Wänden versteckt.
Eine Klimaanlage im Studio ist etwas feines, aber wenn sie so laut bläst wie ein alter Staubsauger - oder noch schlimmer - auch so riecht, dann darf man sich getrost nach einer anderen Lokalität umschauen...

Gute Studios investieren in so langweilige Dinge wie anständige Mikrofonständer, gute Kopfhörerverlängerungen, stabile Audioadapter und dergleichen. Sie investieren in die Pflege ihres Equipments, in eine flexible, gute Beleuchtung, knarrfreie Pianostühle, geölte Hold-Pedals und so weiter.


Kommunikation:
Gute Studios sind verlässlich. Sie geben zeitnah Antwort. Nicht Endzeitnah. So innert 48 h hat man ne Antwort, spätestens. Ganz wichtig auch: man bekommt Verträge schriftlich, da steht auf Wunsch auch ein Timing drauf, zumindest aber der Zeitraum, und - jetzt kommts- der Abgabtermin der Arbeit!! Und vielleicht sogar, in welcher Form dieses Produkt dann abgegeben wird.
Wenn man als Kunde darauf keinen Wert legt, dann ist das eine Sache. Ein gutes Studio wird einem von sich aus schon alle diese Eckdaten zutragen wollen zur Absicherung beider Parteien.

Der Tonmensch (mein bescheidener Versuch, geschlechtsneutral zu formulieren):
Das Personal im Studio ist erfahren genug, die Produktion mit der nötigen Rücksicht auf Stärken und Schwächen der Musiker durchzuführen. Es ist genau so verfehlt, einfach jeden Take teilnahmslos durchzuwinken ("jaaa, passt schon...") wie jemanden zur Schnecke zu machen und dessen Part solange wiederholen zu lassen, bis des Sängers Halszäpfchen die Flucht ergreift oder dem Gitarristen das Blut von den Fingerkuppen tropft.

Ich kenne Tonmenschen, welche sich ihr Studio damit amortisiert haben, indem sie sich die Überstunden haben bezahlen lassen von Layenmusikern, die es einfach nicht besser konnten. ("Das war schon ganz gut, aber das kannst du nochmals... Take 1425 - uuuund bitte!")
Dabei haben die Kollegen jedoch ihre Menschlichkeit gegen bitteren Zynismus getauscht. In diesem Sinne kein nachahmenswertes Geschäftsmodell.

Eine ganz einfache Regel hilft hier immer: Fühlt man sich wohl, macht es Spass, kommt man einigermassen voran mit der Arbeit, dann ist dies das richtige Studio.


Der aufmerksame Leser...

das wollte ich schon immer mal schreiben! :-) Aaalso:

Der aufmerksame Leser wird sich nun fragen, woher er denn das alles wissen soll, bevor er da überhaupt gearbeitet hat.

Nun: Ich weiss nie wie gut ein Restaurant ist, bevor ich da nicht selber gegessen habe. Man lässt sich von Bekannten vielleicht gerne einmal eines empfehlen. Aber ob es mir da auch so gut schmeckt weiss ich erst, wenn ich da bin.
Wenn ich jetzt ein groossses Essen mit vielene Menschen habe, werde ich zuerst wohl einfach Probeessen gehen. Genau so würde ich das bei eineme Studio auch machen.
Einen Nachmittag das Studio buchen und Arbeit mitnehmen, die da gemacht werden kann, sei dies ein Layout, ein Overdub, ein Mixdown... Was auch immer, einfach mit einem überschaubaren Auftrag und somit überschaubarem Risiko ausprobieren, ob einem das Studio und der Tonmensch sympathisch ist oder nicht. Ob er ein Fachidiot ist oder auch noch andere Hobbies hat. Zum Beispiel Alpenpanoramen im Gegenlicht fotografieren...



Dienstag, 4. April 2017

Wie unterscheidet man gute von weniger guten Studios - Teil 2



Im ersten Teil dieser kleinen Serie habe ich darüber geschrieben, dass die eigenen Bedürfnisse zuerst geklärt werden müssen.

Nicht jedes Studio ist gut, aber noch lange nicht jedes gute Studio ist geeignet! 

Ich habe dazu eine  Checkliste zusammengestellt mit meinen ganz persönlichen Kriterien, vielleicht hilft das ja jemandem:

Checkliste für die Tonstudiosuche

Diese Liste ist wohl kaum vollständig. Wenn ich etwas Wesentliches vergessen habe, lass es mich wissen, dann werde ich das noch einfügen. Vielen Dank

Eigentlich ist es nun ein recht einfaches Vorgehen: Priorisiere deine Wünsche und schreibe die Studios an, welche in Frage kommen.

Ein wesentlicher Faktor, welcher nicht auf der Liste steht, ist natürlich die Preisspanne. Wieso habe ich das nicht aufgeschrieben? Ganz einfach - der Preis ist von einigen Faktoren abhängig, welche sich unter Umständen in den Verhandlungen mit den Studios ergeben, massgeblich dem Zeitpunkt der Produktion und deren Dauer.

Je flexibler der Zeitpunkt der Aufnahme, desto mehr Spielraum hat das Studio,. Dann kann es besser Leerzeiten füllen und desto mehr Möglichkeiten hat es bei der Preisgestaltung. Hier ist Verhandeln angesagt.

Sehr schwierig abzuschätzen ist die Dauer, welche die Produktion benötigt. Es gab da mal diese Doku: "One and a half year in the life of Metallica". Ja, da lebte man 18 Monate im Studio und nahm mal eben das schwarze Album auf.
Oder dann gibts da die Geschichte von Coldplay, die nach Abschluss des Albums nicht glücklich waren mit dem Ergebnis und kurzerhand entschieden, alles noch mal neu zu produzieren.
Oder die Herren von Daft Punk, welche sich ihr "Get Lucky" Album mal eben eine siebenstellige Summe haben kosten lassen...

Wenn die erwarteten Einnahmen diese Investitionen rechtfertigen, kann es sehr sinnvoll sein, ein Studio über Monate zu buchen und darin die Kreativarbeit zu vollbringen.

Allen, welche nicht mit der grossen Kelle anrühren können, sei gesagt:

Das Teuerste im Studio ist mangelnde Vorbereitung und fehlendes Können.

Wer keinen Plan hat vom Song, seinen Lines, dem Songtempo oder der geeigneten Tonart, der wird für diesen  Kreativworkshop im Studio tiefer in die Tasche greiffen müssen als ihm/ihr lieb sein wird.

Dazu noch eine kurze Geschichte. Nach einer detailiertern Vorproduktion entschied sich ein Solokünstler bei uns, Drum und Bass von professionellen Studiomusikern einspielen zu lassen. Man budgetierte zwei Tage für die 14 Songs. Den Herren wurde die Vorproduktion inklusive Leadsheets geschickt, zwei Wochen später kamen sie aus Italien angereist. Morgens um 9.00 wurde aufgebaut, Soundcheck, nach dem Mittagessen ging es los. Am Abend des ersten Aufnahmetages war alles im Kasten! Meistens genügten zwei Takes, wovon der Erste dann häufig auch noch der "bessere" war (es handelte sich um Nuancen).
Am zweiten Tag genossen die zwei italienischen Cats eine Sightseeingtour in Zürich und gingen shoppen. Alle waren glücklich und zufrieden. Ohne Stress, dafür geschmackvoll und musikalisch einwandfrei wurden die Popsongs interpretiert. Kaum etwas wurde editiert. Solche Sessions sparen Zeit und viel Geld und das Ergebnis ist häufig besser als wenn man alles in tageleanger Arbeit selbst aufnimmt und sich danach einen Wolf editiert.


Wer Geld sparen will, der investiert seine Zeit in eine genaue Vorproduktion. Diese kann in der DAW, im Proberaum oder wo auch immer stattfinden.

Das Vorgehen beim Songwriting, Arrangement und der Vorproduktion ist aber primär genreabhängig, Diese "Vor-Studio-Zeit" ist aber etwas vom Wichtigsten an der ganzen Geschichte. Ein gutes Studio kennt die verschiedenen Szenarien und kann dich dabei beraten.

Wie unterscheide ich nun gute von weniger guten Studios in diesem Auswahlprozess?

Ein gutes Studio bzw ein guter Studiomanager wird eine klare Vorstellung davon haben, ob die angefragte Produktion bei ihm am richtigen Ort ist oder nicht. Er wird die Fragen, welche aufgrund der Bedürfnisse auftauchen detailiert beantworten können, von der studioeigenen Backline über mögliche Zumietungen von Instrumenten bis zu Übernachtungsgelegenheiten.
Er wird nach dem Zweck, der Besetzung, der Stilrichtung fragen und sich interessiert zeigen an den vorangegangenen Produktionen. Er wird euch gerne auf eine Studiobesichtigung einladen und offen über seine Preismodelle Auskunft geben.
Wenn man sich willkommen und ernst genommen fühlt und die Offerte realistisch ist, dann geht es im Folgenden darum, eine Entscheidung zu fällen. Denn natürlich hat man verschiedene Angebote eingeholt und sich ernsthaft damit auseinandergesetzt...

Über den wesentlichsten Teil der Entscheidungsfindung, nämlich die Person, welche die technische Betreuung  oder aber auch die musikalische Leitung übernimmt, schreibe ich im dritten Teil.



Dienstag, 21. März 2017

Wie unterscheidet man gute von weniger guten Studios? Teil 1


Ich hatte einmal eine Kundin, die hat auf meiner Homepage unter Inventar einen Lexicon L480 entdeckte und daraufhin entschied, dass dies ein gutes Studio sein müsse, da dieses Gerät in den meisten guten Studios zu finden sei (Ja, es ist ein paar Jahre her). Ich fand dies ein ziemlich originelles Auswahlverfahren.  Der Besitz eines bestimmten Hallgerätes sagt über die Qualität des Studios etwa soviel aus wie der Besitz eines Teslas über die Fahrkünste dessen Halters.

MERKE: Die Auststattung eines Studios sagt mehr über das Vermögen oder die Kreditwürdigkeit des Inhabers aus als über die zu erwartende Tonqualität.

Braucht ein Tonstudio heute noch ein Pult? 
Wie findet man denn ein gutes Studio in Zeiten des Studiosterbens? Viele prominente Beispiele aus den USA beweisen, dass ein grosszügiges Raumangebot und seitenlange Listen von state-of-the-art-Equipment nicht vor dem Untergang schützen. Übrigens auch eine blendende Reputation oder eine Kundenliste voller Grammygewinner nicht. (Ist das nicht schön? "blendende Reputation"...)

Es kann auch nicht am Alter eines Betriebes liegen. Ob ein Studio brandneu, uralt oder irgendwas dazwischen ist, sagt nichts über die Qualität aus, welche einem erwarten wird.

Nicht einmal der Preis ist in irgendeinem Masse aussagefähig über die zu erwartende Dienstleistung. Ein Studio in Geldnot wird versuchen, seine Preise nach unten anzupassen um Leerzeiten zu füllen. Ein eher teureres Studio mag stark gebucht sein, was nie ein schlechtes Zeichen ist - jedoch vielleicht mit Kundschaft aus einem anderen Segment. Die teuersten Studios in unserer Gegend sind nicht in der Lage, ein Schlagzeug aufzunehmen...

Ach, Stiftung Warentest, wieso bist du nie da, wenn man dich braucht.
Es gibt eigentlich nur ein verlässliches Kriterium für die Güte eines Studios, und dieses ist für den Laien schwer erkennbar: die Qualität der Akustik. Aber auch ein Studio mit geschmackvoller Akustik kann einem nicht viel helfen, wenn der Techniker dort selber keinen Geschmack hat.

Wie geht man denn vor, wenn man ein Auto kauft?

1. Ich definiere meine Bedürfnisse.
2. Ich suche online nach Angeboten und frag mal ein bisschen rum in meinem Bekanntenkreis.
3. Ich setze mich persönlich mit den Anbietern in Kontakt.
4. Ich mache Probefahrten.
5. Ich verhandle und schliesse das für mich passende Geschäft ab.

Wieso der Vergleich mit einem Auto? Weil die Preisspanne beinahe gleich gross ist wie bei einem Studio. Von "kostet fast gar nix" bis zum sechstelligen Bereich ist alles drin.

Die Bedürfnisse:
Ich kann nur von mir ausgehen: Wenn ich in einem Studio meine Musik aufnehmen würde, wären folgende Punkte wichtig:
Der Betreiber/Engineer macht einen interessierten Eindruck. Ich möchte einen erfahrenen und motivierten Dienstleister. Einer, der weiss, was er tut und trotzdem nicht bei allem sagt "das machen wir hier seit 20 Jahren so, das hat immer geklappt". Ich möchte als Musiker verstanden werden.
Die Musik als "universelle Sprache" bietet viele Gelegenheiten für Missverständnisse, gerade bei ihrer Entstehung. Deshalb ist es wichtig, dass man einen guten Draht hat zum Mann hinter dem Mischpult.


Welche Ansprüche habe ich an das Produkt: Mach ich ein Demo oder eine Produktion. Muss das nur mir und meiner Familie gefallen oder soll das veröffentlich werden.

Bin ich überhaupt selber in der Lage als Musiker, diesen Ansprüchen zu genügen? (Text aus einem Studiovertrag: "You bring your own talent"...)

In welchem Zeitraum soll die Produktion stattfinden. Habe ich eine knallharte Deadline oder habe ich da Spielraum (wichtig für die Verhandlungen am Ende)

Ist es mir wichtig, Zeit zum experimentieren zu haben im Studio oder muss es einfach in möglichst kurzer Zeit eingespielt sein?

Je genauer ich meine Bedürfnisse kenne, desto differenzierter kann ich die verschiedenen Angebote beurteilen.

Im nächsten Teil gehts um die Angebotssuche. Ich freue mich auf eure Kommentare!

Euer Ton Meister :-)



Samstag, 11. Februar 2017

On the road again



Manchmal dauert die Fahrt zu einem Gig länger als der eigentliche Job selbst. Wer in der Veranstaltungstechnik erfolgreich sein will hat ja im Grunde mindestens soviele  Herausforderungen in der Logistik wie im Gewerk selber. Nicht umsonst bezeichchnen wir Techies uns spasseshalber häufig als (Achtung: lustiger Helvetismus!) "technisch versierter Zügelmann" (Umzugshelfer).

 Ich fahre eigentlich gerne Auto. Ich würde lieber elektrisch, CO2 neutral und AKW-frei fahren, aber das ist zur Zeit einfach noch nicht möglich. Ich mache zwischen 30'000-40'000 km pro Jahr und das zu den ungünstigsten Tageszeiten. Und immer wieder mit ordentlich Gepäck - ÖV ist deswegen leider selten eine Option.

Früher fuhr ich nur 4WD, irgendwann entschied ich mich aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, darauf zu verzichten. An mindestens 350 Tagen im Jahr bin ich zufrieden mit meinem jetzigen Wagen. Die Wege in der Schweiz sind zwar nicht weit - aber lang. Sie werden im Winterhalbjahr leider manchmal noch viel länger. Es sind solche Nächte wie diese eine kürzlich, bei welcher ich dachte, ich käme nie mehr an.Und in solchen Nächten, mit wildem Schneetreiben, verfluchte ich meinen Entscheid gegen 4WD. Es stand eine Strecke von lächerlichen 220 km an und das Navi rechnete mit 2.5 Stunden.

Irgendwo zwischen Chur und St. Moritz wurde die Strasse weisser und weisser, bis sie im allgemeinen Schneeweiss der Umgebung quasi verschwand. Die Leitpfosten lugten hilfesuchend aus der Schneedecke, scheinbar dem Ertrinken nahe. In meinem Kopf begann Bono zu singen: "Where the streets have no lane..." und ehe ich mich versah, verwandelte sich die Passstrasse zu einem Schleuderkurs für Fortgeschrittene.

Jetzt. Nur. Nicht. Anhalten! Vor allem nicht in Steigungen... Der Tacho zeigte lustige Zahlen zwischen 30 und 100 km/h während ich im Schritttempo durch die Kurven rutschte.

Ich bin nicht Jeremy Clarkson und meine Produktionsfirma bezahlt auch keine Totalschäden. Deswegen entschied ich mich für einen defensiveren Fahrstil, zumal sich die nächtlich-romantische Winterstimmung 2000 m.ü.M  augenblicklich in ein Szenario mit Pannenhilfe oder Blaulicht verwandeln konnte. Ich erinnerte mich an die Zeiten als Fahrer bei der Armee, als ich in den schweizer Bergen regelmässig 4 Ketten an den Mercedes-Puch heftete, um meine Mannschaft und den Anhänger dank 4WD und Differentialsperre durch den Schnee pflügen zu können. Ich habe in dieser Zeit eine gewisse Abneigung zu Schneeketten entwickelt; man will sie nicht montieren, aber man kann nicht ohne sie fahren. "I can't liiive...with or withoout you", flötete Bono seine Zeilen in mein Kopfradio.

Trotz mehr als 20 unfallfreien Jahren und reichlich Erfahrung mit widrigen Strassenzuständen war ich ein paar Tage vor dieser Passrally im Flachland in eine üble Schneeverwehung gefahren, kam ins Schleudern, mähte einen Leitpfosten um und rutsche eine Böschung hinunter auf einen Acker. Da kam mir dann der Schneekettendrill der Dienstzeit wieder zugute, so dass ich nach ein paar Versuchen ohne fremde Hilfe den Weg auf die Strasse zurückfand. Solche Manöver galt es jedoch jetzt zu verhindern, ich wollte auf keinen Fall steckenbleiben auf dem Julierpass. Nachts um halb zwölf. Im Schneetreiben. Als einziger Verkehrsteilnehmer weit und breit...

So übte ich mich im Zen des Schleichtempos und wurde dafür mit einer unfallfreien Fahrt belohnt. Vor St. Moritz begegnete ich dann doch noch weiteren Verkehrsteilnehmern. Diese hatten weniger Glück; ein Auto war in einer Kurve auf eine Leitplanke hinaufgerutscht, was sicher besser war, als wenn es diese verfehlt hätte (daneben gings steil bergab...), 500 m weiter unten begegnete ich einem weiteren Unfall zweier Fahrzeuge.

"Where the streets will be paiin..."  - mein innerer Bono war in Höchstform, wenn auch mit zynischem Einschlag.

Nach etwas über vier Stunden war ich einfach heilfroh darüber, gesund angekommen zu sein. Soundcheck war erst am Folgetag.

Sonntag, 22. Januar 2017

Ich hatte da ein paar Frage - jetzt habe ich die Antworten

Vor ein paar Wochen habe ich euch gebeten, mir ein paar Fragen zu beantworten. Die Umfrage wurde rege benutzt, über 300 Leser haben sich die Mühe genommen, mir Rückmeldungen zu geben! Mit so einer grossen Anzahl hätte ich niemals gerechnet, vielen lieben Dank dafür!

Ich möchte euch hier gerne die Resultate vorstellen und erklären, welche Schlüsse ich daraus ziehe.

Das Schöne an dieser Umfrage war, dass die Antworten sehr klar ausfielen. Das Blöde daran ist, dass einem je länger je mehr zusätzliche Fragen einfallen, welche man noch gerne gestellt hätte :-) Ich habe mich jedoch an meinem eigenen Empfinden orientiert und habe versucht, nur die wesentlichen Punkte zu ergründen und habe absichtlich auf eine mehrseitige Evaluation verzichtet. Mir geht das ja auch auf den Sack, dass nach jedem Gespräch mit einer Hotline eine Mail in den Posteingang flattert, bei welcher man um seine Meinung gefragt wird. Umso mehr schätze ich, dass so viele Leser Auskunft gaben!!


Tontechnik ist...


Die erste Überraschung für mich: Ich schreibe offensichtlich fast nur für Profis! Fast die Hälfte sind Vollzeittechniker, fast nochmals so viele arbeiten zum Teil oder in ihrer Freizeit in diesem Bereich. Das heisst, 9 von 10 Lesern erschrecken nicht, wenn ich von dBSPL, harmonischen Verzerrungen oder Intermodulationen im UHF-Bereich erzähle.
Die meisten, welche "Other" angegeben haben, sind Audioveteranen, welche die Branche aus sicherer Distanz beobachten :-)


Der Tonmeisterblog ist vor allem interessant wegen...

DEN LUSTIGEN GESCHICHTEN!!!!
70 % der Befragten finden meine Geschichten lustig. Das ehrt mich, denn das ist eigentlich das Ziel.

DEN TECHNISCHEN INFORMATIONEN/ DEN TIPPS UND TRICKS
Immerhin 64 %  (bzw 67 %) finden, dass es hier auch noch was zu lernen gibt. Das ist mir auch wichtig, denn der Austausch in unserer Branche findet ja hauptsächlich auf den Jobs selber statt, oder für die Studiomenschen hauptsächlich in den Foren. Dagegen gibt es nichts einzuwenden, aber was ich auf den Tod nicht ausstehen kann ist diese Geheimniskrämerei. Und da will ich mit gutem Beispiel vorangehen und aus meinem Toolkästchen plaudern. Mich kann man alles Fragen, wenn man keine Angst vor der Antwort hat:-)



Die Gestaltung der Website finde ich...



90% der Befragten scheint das Layout meiner Webpage nicht zu stören. Da bin ich schon mal erleichtert. Ich bin kein Grafiker und will es auch nicht sein. Und ich hab auch keinen Bock hier Unmengen an Kohle loszuwerden. Es gibt im Netz unzählige schöne, stylishe Blogs mit mehr oder weniger sinnfreien Inhalten. Ich bin in diesem Sinne gut beraten, mich mehr auf den Inhalt statt die Form zu konzentrieren, das beruhigt mich ungemein,

Dies ist ja die eigentliche Kontrollfrage zur ersten Frage: Die 90%, welche beruflich in diesem Bereich arbeiten, denen ist wohl auch Wurscht, wie die Webpage aussieht :-D



Ich möchte auf dem Blog gerne mehr...

Rund drei Viertel gaben an, mehr Fachwissen vermittelt bekommen zu wollen. Das könnt ihr gerne haben! Ich habe mich in der Vegangenheit immer davor gescheut, zuviel Techtalk zu erzählen, aber offensichtlich scheint dies ein grosses Bedürfnis zu sein. Die restlichen Antworten haben mich nicht gross überrascht. Das Bedürfnis nach Testberichten scheint durch die professionellen Formate wie Production Partner etc genügend abgedeckt. Deswegen werde ich mich darauf konzentrieren, Fachwissen und Erfahrungen aus der täglichen Arbeit zu teilen.


Ich fände es cool, wenn der Tonmeister...


Die grösste Überraschung für mich: NUR 70% WOLLEN FREIBIER!

Männer! Wat it los mit euch?  Auf Prosetscho umgestiegen oder wat?

Ich plane im Frühjahr im Raum Konstanz einen friedlichen Sonttagnachmittag mit Wurst und Bier, da können wir uns dann mal persönlich kennenlernen.
Ich werde aber den Teufel tun und den genauen Ort ins Facebook schreiben, sonst haben wir da dann auf einmall 120'000 trinkfeste "Kollegen" auf Platz, die auch schon mal ne Stereoanlage verkabelt haben und meinen, "FoH" sei eine Abkürzung für "Fellatioohh".

Früher habe ich regelmässig den "Tönlerbrunch" durchgeführt. Das war ein reichhaltiges Sonntagsfrühstück mit 30-40 Kollegen. Es waren immer sehr schöne Treffen. So etwas Ähnliches habe ich im Sinn.
Wer Lust darauf hat, schreibe sich bitte in den Newsletter ein. Dort werde ich im Frühjahr dann informieren.

Die zweite Überraschung: Rund 30%  haben sich trotz meiner Bitte FÜR einen Videoblog ausgesprochen.  Autonomes Pack! :-)
Ich lege mich hier noch nicht fest.

Weder ein Podcast noch ein Buch von mir scheint im Moment von vielen Lesern gewünscht. Auch damit kann ich gut leben!

Newsletter

Immerhin gut 70 Kollegen haben sich hier schon eingeschrieben, vielen Dank!
Ich werde im Newsletter Berichte schreiben, welche ich als zu speziell erachte für den Blog. Oder ich werde wie gesagt auf das eine oder andere Treffen, Lehrveranstaltungen oder Neuheiten hinweisen, welche nicht ins Format des Blogs passen.
Wer sich noch einschreiben will, kann mir eine Mail auf tonmeisterblog@gmail.com machen.

Was ich sonst noch sagen wollte

Da gabs sehr viel Lob, und das freut mich ungemein. Nach nun ziemlich genau zwei Jahren bin ich sehr glücklich über die gute Resonanz, welche ich in dieser Form nicht erwartet hätte.
Damit der Blog so frisch und fröhlich bleibt, wie er jetzt ist, werde ich mir weiterhin die Freiheit nehmen und völlig unregelmässig posten. Entgegen allen Empfehlungen von Bloggerprofis. Es ist mir einfach wichtig, dass ich nur dann etwas poste, wenn ich wirklich etwas zu sagen habe. Alles andere ist journalistischer Schaumstoff, und der dämpft normalerweise die Leserresonanz;-)

Freitag, 20. Januar 2017

Lieber Tonmeister, kann man mit einem Knalltrauma Tontechniker werden?

Kürzlich erreichte mich die Frage um eine Zweitmeinung eines Berufskollegen, welcher in der Ausbildung als Medienpädagoge mit syrischen Flüchtlingen arbeitet. Ein 23 jähriger Flüchtling wurde Opfer eines Bombenangriffs und musste in der Folge am Gehör operiert werden. Auf den Audiogrammen sind deutlich die Beeinträchtigungen zu sehen. Ich muss gestehen, wenn die Folgen dieser Kriegskatastrophe in solcher Weise an die eigene Türe klopft, geht es einem nochmals näher, als wenn man es "nur" im TV sieht. Ich finde es eine bestialische Tragödie, und meine Hilflosigkeit macht mich wütend. Aber zurück zu unserem bedauernswerten Flüchtling.



Hier unser kurzer Briefwechsel:

Hallo, ich hätte gerne von Dir mal einen kollegialen Rat/ Einschätzung? Ich bin Mediengestalter Bild und Ton und habe 15 Jahre als EB- Tontechniker beim WDR in Köln gearbeitet. 2010 bin ich dann aus dem Beruf ausgestiegen, und habe mich beruflich neu orientiert. Ich bin jetzt Medienpädagoge, und arbeite zur Zeit mir einer Gruppe von syrischen Kriegsflüchtlingen. 

Einer meiner Gruppenteilnehmer möchte gerne eine Ausbildung als Mediengestalter Bild und Ton oder Veranstaltungstechniker absolvieren. Da er aber aufgrund einer Bombenexplosion ein Knalltrauma hat und hier in Deutschland deswegen auch an den Ohren operiert wurde, habe ich ihm gesagt, dass er einen Hörtest machen und mir das Diagramm davon mitbringen soll. Der junge Mann ist 23 Jahre alt, und bevor ich ihm sage wie seine Chancen sind, hätte ich gerne von einem Berufskollegen eine "Zweite Meinung" vielen Dank im Voraus😀



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Hi Mike, vielen Dank für deine Frage! Ich kenne mich mit Hörtests wenig aus, habe zweimal in meinem Leben selber einen gemacht und war zum Glück immer überdurchschnittlich hörvermögend.

Das Hauptproblem besteht für mich wohl in der Asymmetrie des Hörschadens. Ich weiss, dass das Gehirn fähig ist, Hörverluste bis zu einem gewissen Grad zu kompensieren. Es interpoliert sozusagen das Defizit bis zu einem Stück weit. Ich würde aber eine berufliche Karriere nicht auf einem derart geschädigten Gehör aufbauen, da es unsicher ist, wie es sich entwickelt (bzw sehr wahrscheinlich, dass es mit dem Alter massiv schlechter wird.)

Es gibt aber sehr viele Tätigkeiten in der Veranstaltungsbranche, bei welcher ein hoch entwickeltes Hörvermögen und Hörbewusstsein zweitrangig ist. Ich würde empfehlen eine Auslegeordnung der verschiedenen Gewerke zu machen und mit dem jungen Herrn zu diskutieren, in welche Richtung es gehen könnte. Gewisse Arbeiten als Systemtechniker, Backliner und natürlich auch alles was mit Licht und Video zu tun hat, stellt keine allzu hohen Anforderungen an das Hörvermögen. Auch das immer komplizierter werdende Frequenzmanagement der UHF Mikrofone wäre geeignet, vor allem auch weil hier ein Mangel an Fachkräften herrscht. Ich würde davon abraten, bei solch schwierigen Voraussetzungen in eine Ausbildung für den kompetitiven Markt der Audiomischer zu investieren. Ich denke, berufsnahe Alternativen gibt es genug.
Ich hoffe, das deckt sich einigermassen mit deiner Meinung und wollte dich freundlich Fragen, ob ich diesen Austausch veröffentlichen darf, Liebe Grüsse, Philipp

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Hallo Philipp, vielen dank für deine schnelle Antwort🙂! Ich habe die Situation ähnlich Bewertet wie Du. Ich denke auch, das es mit Blick auf eine weitere Berufliche Entwicklung, schwierig sein kann, wenn das Gehör schon geschädigt ist. Ich denke das seine Möglichkeiten z.B. als Mediengestalter Bild und Ton gar nicht so schlecht sind wenn er sich auf den Bereich Bildschnitt/ Cutter Konzentriert. Auch die anderen von Dir Angesprochenen Berufsfelder, könnten eine Alternative sein, aber der junge Mann ist Hip- Hop Musiker und sein Wunsch ist es als Toning/ Produzent zu Arbeiten. Du weißt ja, wie das ist, wenn dein Herz für eine Sache Brennt!🙂



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Lieber Mike,
ich kenne einen Produzenten, der auf einem Ohr vollständig taub ist, aber dieser ist schon jetzt ein gefragter Bassist und Musical Director. Man kann auch mit diesem Hörvermögen gute Beats produzieren und Vocals recorden, editieren und vormischen, einfach den Endmix und das Mastering würde ich bestimmt einem routiniereten profi überlassen. Trotzdem, ob man in diesem schwierigen Markt damit jemals in eine Gewinnzone kommt mit derart schlechten Voraussetzungen halte ich für mehr als fraglich. Ich würde empfehlen, die Musik nicht monetarisieren zu wollen und in eine berufsnahe Alternative zu investieren.


Ist das Gehör und das eigene Hörvermögen ein Ta(u)bu für uns Tontechniker?
Wie seht ihr das? Eigentlich müsste man, bevor man einen Beruf in der Audiobranche wählt,  als Erstes einen Hörtest machen, nicht?
Die Diskussion ist eröffnet.