Sonntag, 22. Januar 2017

Ich hatte da ein paar Frage - jetzt habe ich die Antworten

Vor ein paar Wochen habe ich euch gebeten, mir ein paar Fragen zu beantworten. Die Umfrage wurde rege benutzt, über 300 Leser haben sich die Mühe genommen, mir Rückmeldungen zu geben! Mit so einer grossen Anzahl hätte ich niemals gerechnet, vielen lieben Dank dafür!

Ich möchte euch hier gerne die Resultate vorstellen und erklären, welche Schlüsse ich daraus ziehe.

Das Schöne an dieser Umfrage war, dass die Antworten sehr klar ausfielen. Das Blöde daran ist, dass einem je länger je mehr zusätzliche Fragen einfallen, welche man noch gerne gestellt hätte :-) Ich habe mich jedoch an meinem eigenen Empfinden orientiert und habe versucht, nur die wesentlichen Punkte zu ergründen und habe absichtlich auf eine mehrseitige Evaluation verzichtet. Mir geht das ja auch auf den Sack, dass nach jedem Gespräch mit einer Hotline eine Mail in den Posteingang flattert, bei welcher man um seine Meinung gefragt wird. Umso mehr schätze ich, dass so viele Leser Auskunft gaben!!


Tontechnik ist...


Die erste Überraschung für mich: Ich schreibe offensichtlich fast nur für Profis! Fast die Hälfte sind Vollzeittechniker, fast nochmals so viele arbeiten zum Teil oder in ihrer Freizeit in diesem Bereich. Das heisst, 9 von 10 Lesern erschrecken nicht, wenn ich von dBSPL, harmonischen Verzerrungen oder Intermodulationen im UHF-Bereich erzähle.
Die meisten, welche "Other" angegeben haben, sind Audioveteranen, welche die Branche aus sicherer Distanz beobachten :-)


Der Tonmeisterblog ist vor allem interessant wegen...

DEN LUSTIGEN GESCHICHTEN!!!!
70 % der Befragten finden meine Geschichten lustig. Das ehrt mich, denn das ist eigentlich das Ziel.

DEN TECHNISCHEN INFORMATIONEN/ DEN TIPPS UND TRICKS
Immerhin 64 %  (bzw 67 %) finden, dass es hier auch noch was zu lernen gibt. Das ist mir auch wichtig, denn der Austausch in unserer Branche findet ja hauptsächlich auf den Jobs selber statt, oder für die Studiomenschen hauptsächlich in den Foren. Dagegen gibt es nichts einzuwenden, aber was ich auf den Tod nicht ausstehen kann ist diese Geheimniskrämerei. Und da will ich mit gutem Beispiel vorangehen und aus meinem Toolkästchen plaudern. Mich kann man alles Fragen, wenn man keine Angst vor der Antwort hat:-)



Die Gestaltung der Website finde ich...



90% der Befragten scheint das Layout meiner Webpage nicht zu stören. Da bin ich schon mal erleichtert. Ich bin kein Grafiker und will es auch nicht sein. Und ich hab auch keinen Bock hier Unmengen an Kohle loszuwerden. Es gibt im Netz unzählige schöne, stylishe Blogs mit mehr oder weniger sinnfreien Inhalten. Ich bin in diesem Sinne gut beraten, mich mehr auf den Inhalt statt die Form zu konzentrieren, das beruhigt mich ungemein,

Dies ist ja die eigentliche Kontrollfrage zur ersten Frage: Die 90%, welche beruflich in diesem Bereich arbeiten, denen ist wohl auch Wurscht, wie die Webpage aussieht :-D



Ich möchte auf dem Blog gerne mehr...

Rund drei Viertel gaben an, mehr Fachwissen vermittelt bekommen zu wollen. Das könnt ihr gerne haben! Ich habe mich in der Vegangenheit immer davor gescheut, zuviel Techtalk zu erzählen, aber offensichtlich scheint dies ein grosses Bedürfnis zu sein. Die restlichen Antworten haben mich nicht gross überrascht. Das Bedürfnis nach Testberichten scheint durch die professionellen Formate wie Production Partner etc genügend abgedeckt. Deswegen werde ich mich darauf konzentrieren, Fachwissen und Erfahrungen aus der täglichen Arbeit zu teilen.


Ich fände es cool, wenn der Tonmeister...


Die grösste Überraschung für mich: NUR 70% WOLLEN FREIBIER!

Männer! Wat it los mit euch?  Auf Prosetscho umgestiegen oder wat?

Ich plane im Frühjahr im Raum Konstanz einen friedlichen Sonttagnachmittag mit Wurst und Bier, da können wir uns dann mal persönlich kennenlernen.
Ich werde aber den Teufel tun und den genauen Ort ins Facebook schreiben, sonst haben wir da dann auf einmall 120'000 trinkfeste "Kollegen" auf Platz, die auch schon mal ne Stereoanlage verkabelt haben und meinen, "FoH" sei eine Abkürzung für "Fellatioohh".

Früher habe ich regelmässig den "Tönlerbrunch" durchgeführt. Das war ein reichhaltiges Sonntagsfrühstück mit 30-40 Kollegen. Es waren immer sehr schöne Treffen. So etwas Ähnliches habe ich im Sinn.
Wer Lust darauf hat, schreibe sich bitte in den Newsletter ein. Dort werde ich im Frühjahr dann informieren.

Die zweite Überraschung: Rund 30%  haben sich trotz meiner Bitte FÜR einen Videoblog ausgesprochen.  Autonomes Pack! :-)
Ich lege mich hier noch nicht fest.

Weder ein Podcast noch ein Buch von mir scheint im Moment von vielen Lesern gewünscht. Auch damit kann ich gut leben!

Newsletter

Immerhin gut 70 Kollegen haben sich hier schon eingeschrieben, vielen Dank!
Ich werde im Newsletter Berichte schreiben, welche ich als zu speziell erachte für den Blog. Oder ich werde wie gesagt auf das eine oder andere Treffen, Lehrveranstaltungen oder Neuheiten hinweisen, welche nicht ins Format des Blogs passen.
Wer sich noch einschreiben will, kann mir eine Mail auf tonmeisterblog@gmail.com machen.

Was ich sonst noch sagen wollte

Da gabs sehr viel Lob, und das freut mich ungemein. Nach nun ziemlich genau zwei Jahren bin ich sehr glücklich über die gute Resonanz, welche ich in dieser Form nicht erwartet hätte.
Damit der Blog so frisch und fröhlich bleibt, wie er jetzt ist, werde ich mir weiterhin die Freiheit nehmen und völlig unregelmässig posten. Entgegen allen Empfehlungen von Bloggerprofis. Es ist mir einfach wichtig, dass ich nur dann etwas poste, wenn ich wirklich etwas zu sagen habe. Alles andere ist journalistischer Schaumstoff, und der dämpft normalerweise die Leserresonanz;-)

Freitag, 20. Januar 2017

Lieber Tonmeister, kann man mit einem Knalltrauma Tontechniker werden?

Kürzlich erreichte mich die Frage um eine Zweitmeinung eines Berufskollegen, welcher in der Ausbildung als Medienpädagoge mit syrischen Flüchtlingen arbeitet. Ein 23 jähriger Flüchtling wurde Opfer eines Bombenangriffs und musste in der Folge am Gehör operiert werden. Auf den Audiogrammen sind deutlich die Beeinträchtigungen zu sehen. Ich muss gestehen, wenn die Folgen dieser Kriegskatastrophe in solcher Weise an die eigene Türe klopft, geht es einem nochmals näher, als wenn man es "nur" im TV sieht. Ich finde es eine bestialische Tragödie, und meine Hilflosigkeit macht mich wütend. Aber zurück zu unserem bedauernswerten Flüchtling.



Hier unser kurzer Briefwechsel:

Hallo, ich hätte gerne von Dir mal einen kollegialen Rat/ Einschätzung? Ich bin Mediengestalter Bild und Ton und habe 15 Jahre als EB- Tontechniker beim WDR in Köln gearbeitet. 2010 bin ich dann aus dem Beruf ausgestiegen, und habe mich beruflich neu orientiert. Ich bin jetzt Medienpädagoge, und arbeite zur Zeit mir einer Gruppe von syrischen Kriegsflüchtlingen. 

Einer meiner Gruppenteilnehmer möchte gerne eine Ausbildung als Mediengestalter Bild und Ton oder Veranstaltungstechniker absolvieren. Da er aber aufgrund einer Bombenexplosion ein Knalltrauma hat und hier in Deutschland deswegen auch an den Ohren operiert wurde, habe ich ihm gesagt, dass er einen Hörtest machen und mir das Diagramm davon mitbringen soll. Der junge Mann ist 23 Jahre alt, und bevor ich ihm sage wie seine Chancen sind, hätte ich gerne von einem Berufskollegen eine "Zweite Meinung" vielen Dank im Voraus😀



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Hi Mike, vielen Dank für deine Frage! Ich kenne mich mit Hörtests wenig aus, habe zweimal in meinem Leben selber einen gemacht und war zum Glück immer überdurchschnittlich hörvermögend.

Das Hauptproblem besteht für mich wohl in der Asymmetrie des Hörschadens. Ich weiss, dass das Gehirn fähig ist, Hörverluste bis zu einem gewissen Grad zu kompensieren. Es interpoliert sozusagen das Defizit bis zu einem Stück weit. Ich würde aber eine berufliche Karriere nicht auf einem derart geschädigten Gehör aufbauen, da es unsicher ist, wie es sich entwickelt (bzw sehr wahrscheinlich, dass es mit dem Alter massiv schlechter wird.)

Es gibt aber sehr viele Tätigkeiten in der Veranstaltungsbranche, bei welcher ein hoch entwickeltes Hörvermögen und Hörbewusstsein zweitrangig ist. Ich würde empfehlen eine Auslegeordnung der verschiedenen Gewerke zu machen und mit dem jungen Herrn zu diskutieren, in welche Richtung es gehen könnte. Gewisse Arbeiten als Systemtechniker, Backliner und natürlich auch alles was mit Licht und Video zu tun hat, stellt keine allzu hohen Anforderungen an das Hörvermögen. Auch das immer komplizierter werdende Frequenzmanagement der UHF Mikrofone wäre geeignet, vor allem auch weil hier ein Mangel an Fachkräften herrscht. Ich würde davon abraten, bei solch schwierigen Voraussetzungen in eine Ausbildung für den kompetitiven Markt der Audiomischer zu investieren. Ich denke, berufsnahe Alternativen gibt es genug.
Ich hoffe, das deckt sich einigermassen mit deiner Meinung und wollte dich freundlich Fragen, ob ich diesen Austausch veröffentlichen darf, Liebe Grüsse, Philipp

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Hallo Philipp, vielen dank für deine schnelle Antwort🙂! Ich habe die Situation ähnlich Bewertet wie Du. Ich denke auch, das es mit Blick auf eine weitere Berufliche Entwicklung, schwierig sein kann, wenn das Gehör schon geschädigt ist. Ich denke das seine Möglichkeiten z.B. als Mediengestalter Bild und Ton gar nicht so schlecht sind wenn er sich auf den Bereich Bildschnitt/ Cutter Konzentriert. Auch die anderen von Dir Angesprochenen Berufsfelder, könnten eine Alternative sein, aber der junge Mann ist Hip- Hop Musiker und sein Wunsch ist es als Toning/ Produzent zu Arbeiten. Du weißt ja, wie das ist, wenn dein Herz für eine Sache Brennt!🙂



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Lieber Mike,
ich kenne einen Produzenten, der auf einem Ohr vollständig taub ist, aber dieser ist schon jetzt ein gefragter Bassist und Musical Director. Man kann auch mit diesem Hörvermögen gute Beats produzieren und Vocals recorden, editieren und vormischen, einfach den Endmix und das Mastering würde ich bestimmt einem routiniereten profi überlassen. Trotzdem, ob man in diesem schwierigen Markt damit jemals in eine Gewinnzone kommt mit derart schlechten Voraussetzungen halte ich für mehr als fraglich. Ich würde empfehlen, die Musik nicht monetarisieren zu wollen und in eine berufsnahe Alternative zu investieren.


Ist das Gehör und das eigene Hörvermögen ein Ta(u)bu für uns Tontechniker?
Wie seht ihr das? Eigentlich müsste man, bevor man einen Beruf in der Audiobranche wählt,  als Erstes einen Hörtest machen, nicht?
Die Diskussion ist eröffnet.


Dienstag, 3. Januar 2017

Liebe Leser, ich hab da mal ein paar Fragen:

Liebe Leser,
mein kleiner Blog wir bald zwei Jahre alt und ich habe grosse Freude zu sehen, dass er gerne gelesen wird. Es ist mir wichtig, nicht an euch vorbei zu schreiben und deswegen wäre ich sehr froh, wenn ihr mir ein paar Fragen beantworten könntet. Es geht nicht lange, versprochen! Vielen lieben Dank, euer Philipp.

An Umfrage teilnehmen


Montag, 2. Januar 2017

48V! Wenn Phantom Power zu realen Schmerzen führt.



Vorwort für technisch interessierte:

Es gibt ja verschiedene Mikrofontypen. Dynamische-, Kondenser-  und Bändchenmikrofone, um einmal die wichtigsten zu nennen. 48V Phantomspeisung ist eine Gleichspannungsversorgung für  Mikrofone und D.I. Boxen und wird über das XLR Kabel direkt vom Vorverstärker geliefert.

Dynamische Mikrofone brauchen keine Speisung, denen ist eigentlich egal, ob 48 V anliegen oder nicht. Kondensermics erwachen aber erst zum Leben, wenn diese Speisung am Kabel anliegt und für Bändchen kann es unter Umständen zum sofortigen Mikrofontod kommen, wenn Phantomspeisung geschaltet wird (genau genommen erst dann, wenn ein TT-Patchkabel mit 48V drauf an der Patchbay gesteckt wird, wenn das Mic schon dranhängt)


Früher, also sehr viel früher, sagen wir mal vor 40 Jahren oder so, gab es noch die Tonaderspeisung. Die wurde nicht auf beide Pole der symmetrischen Signalführung (Pin 2 und 3) sondern nur auf einem geschaltet. Das war dann ein Gleichspannungsversatz von 12V - 24V, welche mit Garantie alle Mikrofontypen ins Nirvana bedörfderte ausser eben Kondenser. Der Vorteil der Phantomspeisung ist also, dass sie den dynamischen Mikrofonen nichts anhaben kann, weil sie auf beiden Pins anliegt und so für das Mikrofon unsichtbar ist - deswegen der etwas mystische Name "Phantomspeisung".
Das Problem bei dieser Speisung ist jedoch, dass es ein sehr lauter Impuls entsteht, wenn das Mikrofon angeschlossen bzw die Speisung aktiviert wird. So laut, dass der Kanal für einen kurzen Moment übersteuert wird, also ROT leuchtet. Immer! Man mutet diesen Kanal besser, ansonsten knallts.


Und nun die wahren Geschichten dazu:
Der 48V- Knall ist so ziemlich das Letzte, was ich auf einem Kopfhörer oder einer P.A. hören will. Wird sie also aktiviert oder das Mikrofon verkabelt, dann MUTET MAN IMMER DEN KANAL!!
Dumm nur, wenn der Mute auf die Prefade Monitore nicht wirkt. Dann hört man aus der Ferne den Knall von den Bühnenmonitoren.
Bei einem Kopfhörerträger ist dieser kapitale Fehler schlechter hörbar, dafür optisch einfach zu erkennen. Dem Leidtrangenden drückt es ob dem schauerlichen Pegel fast die Augäpfel aus dem Gesicht. Wenn es dumm läuft ist er für diesen Tag bedient und legt sich schlafen. Wenns dümmer läuft hat er ein Knalltrauma und die Musikerkarriere ist beendet.

Was ist schlimmer als ein 48V Knall auf der P.A.?
48 x 48V Knällers....
Da war diese etwas arrogante Tourcrew eines berühmten Sängers im Volkshaus Zürich...
Sie hatten den eigenen Support Act dabei und eigene Pulte etc. Ich war Babysitter für ein paar d&b Q1 Schnitze und hatte sonst eigentlich wenig zu tun.

Nachdem der Tourtechniker seine Lampen in die Schusslinie des P.A. positioniert hatte kam der eh schon gereizte Tourmischer auf mich zu und beschwerte sich über die (vorgängig exakt ausgerichtete) Position der Lautsprecher, da die ja viiiel zu weit oben seien und genau ins Lampenrig zielten - welches sein Kollege vorhin um 2m nach unten hatte fahren lassen.
Ich hätte daraufhin auch gerne einen fahren lassen, aber ich hielt mich vornehm zurück mit der Anmerkung, dass mich das keinen Furz anginge, zumal dies ja seine Crew so umdesignt hatte...

(Das habe ich natürlich so nicht gesagt, aber P.A. umriggen 20 Min vor Soundcheck ist irgendwie auch doof)

Die Stimmung wurde frostiger, die Zuschauer kamen, die Vorband spielte und dann beim Umbau geschah es.

Der gereizte Tourmischer vergass sein Pult zu muten. Die emsige Crew auf der Bühne steckte das analoge Multicore von Support Act auf den Main Act um. 48 x 48V knallten mit 132 fantasilliarden dB in den Saal. KAKAKAWUMM!!

(Um nochmals den Fäkalhumor zu bemühen)

Zum guten Glück sind ja die d&b Amps mit guten Limitern ausgerüstet. Es ist aber trotzdem erstaunlich, wie laut diese P.A sein kann.
In dem Moment war für meinen armen Tonkollegen der Abend gelaufen, "merde"... hörte man ihn sagen,  falls einem noch einen Rest an Hörvermögen geblieben war.

Ich sinnierte über die tiefere Bedeutung des Wortes "Karma" und kontrollierte kurz, ob meine Ohrstöpsel den Impuls gut überstanden hatten...