Donnerstag, 21. Januar 2016

So kann man nicht arbeiten!!! Nummero MCXI

Tontechniker leben ja zu einem beträchtlichen Teil ihrer Arbeitszeit in Hotels. Ein Leben "on the road" -  zum guten Glück jedoch leben wir ja nicht wortwörtlich auf der Strasse sondern schlafen entweder in Tourbussen oder Hotels. Nur in bestimmten Kreisen wird einem manchmal eine Unterkunft im Massenschlag angeboten. Dies lehne ich dann jeweils ab, denn wer sich schon den ganzen Tag den Trubel eines Events um die Ohren schlägt, schätzt ein paar Stunden Privatsphäre ganz besonders.
Die Zeiten, als man uns in Doppel- oder Mehrbettzimmern unterbringen wollte sind inzwischen zum Glück auch vorbei, und so war es auch dieses Jahr am WEF in Davos. Wir bekamen Einzelzimmer von unserem Auftraggeber.
Da man in dieser Zeit in Davos jedoch kein einziges Hotelzimmer mehr findet für den Staff, muss man kreativ werden und Alternativen suchen. Unsere Alternative dieses Jahr war, nun ja, sagen wir mal, unter aller Sau.


Die Ferienwohnung hatte ihre besten Zeiten hinter sich - vor 30 Jahren oder so. Das scheinen auch die Vermieter gemerkt zu haben und haben sie renoviert. Teilrenoviert. "Teil" im Sinne von "nicht fertig".
So war nur die Hälfte der Wohnung beheizt - mein Zimmer leider nicht. Strom hatte es, aber Lampen nicht. Von einer möblierten Wohnung zu sprechen wäre mit Verlaub etwas übertrieben gewsen, kein Kasten, kein Schrank, 1,5 Tische (immerhin) und, ach ja, die Betten waren auch noch aus den guten alten Zeiten (wie gesagt vor etwa 30 Jahren oder so). Das Ding wackelte dermassen, dass ich damit rechnete, es würde irgendwann in sich zusammenfallen.

Die Küche war renoviert, wirklich gut - nein echt jetzt! Über den Mangel einer Abwaschbürste konnte man jedoch getrost hinwegsehen, denn selbstredend hatte es auch kein Geschirr. Deswegen sog ich nun jeden Morgen mein Yoghurt aus dem Becher.
Und ganz egal, ob man um zwei oder drei Uhr morgens nachhause kam, - wach wurde man automatisch wenn es hell wurde, denn es hatte natürlich weder Fensterläden noch Vorhänge.
Ich glaube, ich darf ihn wieder mal bringen, meinen Lieblingssatz: SO KANN MAN NICHT ARBEITEEEEN!

Scheissfuckverdammtnochmals

Nach dem ich mich ein bisschen aufgeregt hatte ab meinem ach so aufregenden Leben "on the road" (muahaha) wurde ich still, ging in mich hinein - und da flötete eine leise Stimme: "Sei dankbar, du hast mehr als du brauchst, und wenn dir hier etwas fehlt, dann schätzt du es nachher zuhause umso mehr."

Ich hätte meinem inneren Zen-Meister am liebsten die Fresse poliert, aber er antwortete schneller als ich denken konnte, Gewalt sei ja auch keine Lösung.

Kleiner Bastard.

Ich hätte mich bei meinem Auftraggeber beschweren können - hab ich natürlich auch. Eine Alternative in Gehweite vom Arbeitsort zu finden wäre jedoch ohnehin unmöglich gewesen. Unterkünfte ausserhalb von Davos sind logistischer Selbstmord in der Polizeifestung des WEFs.

Ich hätte auch abreisen können, das wäre dann unter Umständen nicht nur der Verlust dieses Auftrages sondern auch des Kunden gewesen - da hört man vielleicht besser doch auf Meister Zen:

Er sprach: "Wirf deine Gedanken wie Herbstblätter in einen blauen Fluss, schau' zu, wie sie hineinfallen und davontreiben - und dann: Vergiss' sie!"