Samstag, 14. November 2015

Paris - Bataclan



Die Katastrophe trifft mich auf mehreren Ebenen. Wie uns alle als Mensch zuallererst, aber auch als Liebhaber von Paris und natürlich von Berufes wegen . Wie krank und fehlgesteuert kann man nur sein, so eine Tat zu planen, zu orchestrieren und durchzuführen. Mein herzliches Beilied gilt allen Betroffenen und Angehörigen.
Ich will hier auch keinen Hehl daraus machen, dass mich die Anschläge überfordern. Denn jeder noch so differenzierte und emphatische Kommentar wird den entstandenen Wunden nicht gerecht.

Aber lieber Schweigen oder wieder eine lustige Anektote vom Stapel lassen? Nope.

"Weisst du, es ist nur Musik", sagte mir ein Tonkollege, als wir uns vor Jahren über Sinn und Unsinn unseres Berufes unterhielten. Wir retten keine Menschenleben, wir entwickeln keine alternativen Energien, wir steuern nichts zur Wohlfahrt der Menschehit bei. Es ist letzten Endes Unterhaltung und wir tun gut daran uns selber nicht zu wichtig zu nehmen.

Das mag für uns als Techies stimmen, aber Konzerte sind auch ein Symbol für Freiheit, es entstehen unvergesslich schöne Momente - für Besucher beginnt dort die Work-Life- Balance. In diesem Moment stehen Konzerte also für "Leben". Und genau da haben sie uns alle getroffen. Mitten in dieses Plätzchen von Freiheit und Frieden hinein sind sie geplatzt um die tiefsten Wunden zu schlagen.

Immer wieder dachte ich mir, dass Konzerte eine Achillessehne der Gesellschaft wären. So leicht ist der Zugang, so unbeschwert und abgelenkt die Menschenmassen. Die als Security verkleideten Stagehands sind natürlich höchstens hier, um einen betrunkenen Querulanten dingfest zu machen - und wer würde schon befreit an ein Konzert unter Militärschutz gehen? Immer wieder nach Terroranschlägen kam mir in den Sinn, wie verletzlich das idyllische Open Air, das ausverkaufte Tonhallenkonzert, der Clubgig oder der öffentliche Gottesdienst sind. Und jetzt dies.

Dem Konzert im Bataclan sollten wir gedenken können ohne dass uns lähmende Angst betäubt und uns davon abhält die eigenen Plätzchen der Freiheit einzunehmen. Es ist diese Herausforderung, eine Haltung einzunehmen, welche sich der eigenen Verletzlichkeit bewusst wird, welche Solidarität und Mitgefühl beweist, aber sich die Freude am Leben nicht nehmen lässt. Es ist einmal mehr die persönliche Frage: Angst oder Liebe?


Mittwoch, 4. November 2015

Warum ich schreibe, das Tomeistertagebuch



Mein kleiner Blog ist nun gerade mal ein paar Monate alt, ein kleiner Hosenscheisser -  und ich habe grosse Freude daran. Zuerst war ich sehr unsicher, ob diese Texte überhaupt wahrgenommen würden - also auch positiv wahrgenommen würden:-)

In dieser doch eher kurzen Zeit habe ich jedoch viel mehr Resonanz bekommen, als ich je erwartet hätte und das freut mich natürlich sehr. Ich bin weder Schriftsteller noch Journalist und habe offensichtlich auch kein Lektorat, aber ich liebe es, auf diese Art kreativ zu sein und meine Erlebnisse pointiert erzählt zu teilen.

Es vergeht inzwischen fast kein Tag, an dem ich nicht auf diese Textsammlung angesprochen werde. Und immer wieder bekomme ich die Frage gestellt, was mich dazu bewogen hat, zu schreiben. Also:

Eine Bloggerkollegin hat mich vor einem Jahr auf die Idee gebracht. Ich nahm mir gerade eine kleine Auszeit und befasste mich damit, ein Hobby zu finden. Ich malte, begann zu fotografieren und da kam ich auch auf die Idee, zu schreiben. Also die einfache Antwort auf die Frage ist: Ich schreibe gerne - ich hatte das vergessen, dass ich das gerne tue. Und ich erinnerte mich, dass ich früher schon immer gerne Aufsätze schrieb (sic). Fast schon ein coming out - so etwas zu sagen.

 Die Frage stellte sich also, worüber zu schreiben.

Ich dachte mir, dass doch die meisten Menschen Musik hören, an Veranstaltungen gehen oder sonstwie mit der Arbeit eines Tonmeisters in Berührung kommen - ohne je von ihm gehört zu haben. Dazu kommt, dass wir dank unseres Berufes zwangsläufig zu einer Art wandelnder Anektotensammlung werden mit der Zeit. Eigentlich schade, wenn man es für sich behält.
Es ist so eine Art Best-of-Tagebuch geworden- für mich selbst- oder vielleicht mal für die Kinder, aber man soll da ja bekanntlich nicht zuviel erwarten.

Dann habe ich mir zu Beginn ein paar Regeln aufgestellt.

1. Ich schreibe nur etwas, wenn ich Bock darauf habe. Tschuldigung.
2. Ich diffamiere niemanden. Gerngeschehn.
3. Es ist der Tonmeisterblog, ich schreibe über meinen Arbeitsalltag. Das fällt mir zuweilen schwer, weil es mich immer wieder in den Fingern juckt, meinen Senf auch zu anderen, vielleicht wichtigeren Themen zu geben. Aber wir wollen uns mal nicht verzetteln.

Wenn es von meinen Tonkollegen auch mal jemanden in den Fingern juckt und er etwas erzählen möchte, dann bin ich immer offen für einen Gastbeitrag. Weiter bin ich immer auf der Suche nach Themen oder beantworte Fragen.  Schreib mir an: tonmeisterblog@gmail.com

Eine Regel hatte ich noch: Ich mach das nur, solange es ein schönes Hobby bleibt; verliere ich das Interesse oder gehen mir die Ideen aus, dann lasse ich es auch wieder.
Aber bis dahin lassen wir's noch ein bisschen krachen hier! Weiterhin viel Spass beim Lesen!

Euer Ton Meister