Mittwoch, 29. Juli 2015

Apple - in den sauren Apfel beissen?

Mag sich noch jemand an den Badetaschemac erinnern? G4 - ich startete damals mein erstes Projektstudio und ein PC war für die Musikproduktion zu dieser Zeit keine Option, also war der G4 das Produkt meiner Wahl.
Nun gut, ich blieb der Marke treu bis heute, aber eher, weil die Apfelfirma es geschafft hat, Abhängigkeiten zu schaffen statt  mich laufend neu zu überzeugen. Selber schuld?  Vielleicht - Es sind zweifelsohne gute Produkte, aber die Apple-Politk nervt immer wieder in verschiedener Hinsicht.

Der G4 damals war mit USB Ports versehen, der letzte Schrei! USB! 127 Devices konnten adressiert werden. Damals dachte ich, "wer braucht schon 127 Mäuse?" - was anderes gabs ja kaum. Schnell war ich jedoch überzeugt. Das ist ne gute Sache, diese USB Ports.
Einige andere Anschlüsse oder auch das Diskettenlaufwerk wurden abgeschafft. Dieser Politik wurde auch beim neuesten Wurf der Computerschmiede Rechnung getragen. Konsequenterweise hat er nun nur noch einen (1!) Anschluss.
Es sieht dafür super aus, diese Mac Book, ich gebs ja zu. Aber ein Anschluss für alles?
Einer für alles, alles mit einem? Das kann jetzt nicht euer Ernst sein, oder? OK, ein First World Problem, nun gut. Aber ein First World Produkt sollte ja nicht auch einen Rattenschwanz an Problemen mit sich ziehen, oder?

Was ich so benötige den lieben langen Tag:

Einen externen Bildschirmanschluss, am liebsten HDMI.
Mindestens einen Thunderbolthub für portable Audiointerfaces etc.
Einen Netzwerkanschluss, nicht fürs Internet, aber den ganzen anderen Kram, der dort drüberläuft.
Einen Audioausgang, bitte. (Einen Input verkneif ich mir jetzt mal...)
Einen SD Card Reader für's Zoom Recording Gerät, oder was auch immer.

USB...
USB-Ports für x Dongles, eine Pro Tools Tastatur, eine MIDI Tastatur und einen MIDI Controller, womöglich noch einen CD Brenner (jaa, es gibt Kunden, die möchten das noch so old-fashioned), das RME MADIFACE, einen Cardreader und natürlich möchte ich gerne mein Telefon mit Strom versorgen können, wenn ich damit on the road ins Internet muss. Ach ja, manchmal möchte man ja auch noch eine externe HD anschliessen, weil die interne ja grundsätzlich randvoll ist (hat jemand was von Backups gesagt?)

Man stelle sich nun diesen Adapterwald vor, wenn man über einen einzigen Port gehen muss. Wenn ich die alle auch noch in meine Kosten-Nutzenrechnung miteinbeziehe, dann wirds einfach verdammt eng für dieses Gerät. Bleibt einem nur, sich für das Mac Book Pro zu entscheiden, aber USB Hubs und Adapterschlacht sind auch dann nicht zu vermeiden.

Dass dafür schon länger kein Kensingtonschloss mehr benutzt werden kann und nun auch der magnetische Stromanschluss abgeschafft wurde setzt dem Mac Book Frust dann noch die Krone auf.

Das neue Macbook ist also nichts für mich. Auch wenn es das beste Macbook aller Zeiten ist. Muahahahaa! Ich warte lieber auf bessere Zeiten...


Dienstag, 21. Juli 2015

Italianità

Wie ich schon früher erwähnte, verschlägt es einen Tontechniker manchmal an exotische Veranstaltungen.
Da es schon ein paar Jahre her ist - verjährt, sozusagen - erlaube ich mir nun eine kleine, realsatirische Episode zu kredenzen.

Ich wurde in ein italienisches Restaurant bestellt um dort meine Technik aufzubauen. Klein aber fein installierte ich Lautsprecher, Mischpult und den ganzen Kram und wusste bis zum Soundcheck nicht so genau, was mich eigentlich erwarten würde.
Da kam der Sänger, bekannt aus Funk und Fernsehen, dessen Name mich immer an eine Eissorte erinnert hatte, und wir checkten alles fein säuberlich.



Es war eine CD Taufe und zufällig auch noch sein runder Geburtstag, ein grossartiges Fest sollte es also werden. Eines, dass allen lange in Erinnerung bleiben sollte (Was es dann auch tat, nachträglich).

So fanden sich am Abend die schick eingekleideten Damen und Herren in diesem sehr italienischen Ristorante ein, und der perfekt geplante Abend nahm seinen Lauf.
Geladen waren Plattenbosse und eine Horde Journalisten - wohl in der Hoffnung auf positive Berichterstattung.
Aber es waren auch die Familienmitglieder des italienischstämmigen Künstlers zugegen, Eltern, Geschwister und "Paten", wobei Al Pacino und Marlon Brando nicht weiter aufgefallen wären in diesem Setting.
Die Szenerie erinnerte mich immer wieder  "The Godfather", es war, als würden sich alle Vorurteile an einem Abend bestätigen. Italienischer kann man nicht feiern.
Man liess es an nichts mangeln. Das Essen war üppig, der Mocken Rindsfilet so gross, dass einige Gäste ihn nicht zu bewältigen vermochten. Spätestens beim Dessert waren auch die besten Esser überfordert.
Doch das Grande Finale sollte erst noch kommen. Nachdem der Sänger seine Songs vorgezeigt hatte, kam sein kleiner Bruder und sang, und dann la Mamma und sang, und dann sangen alle zusammen, und dann hätten wir wohl auch noch alle mitsingen sollen... Einige Gäste hatten Mühe, das Fremdschämgesicht zu kaschieren - die, sagen wir - seeehr italienisch-romantische Musik hätte "passender" nicht sein können. Der excellente Barolo musste wohl bei manchem als Beruhigungsmittel herhalten. Was in Napoli eine ganz normale CD-Party gewesen wäre, verkam in der Zwinglistadt zum Culturerclash.

Ich beschloss, diesem speziellen Abend keine weitere Bedeutung zu schenken - bis ich zufällig den hämischen Bericht eines Journalisten über eben diesen Abend las. "Ja, genau so wars", lachte ich und dachte die realsatirische Begebenheit hätte somit ein Ende gefunden.

Das Finale Grande kam jedoch erst einen Tag später. Der Sänger, höchst erbost über die Schelte seines Festes, fuhr mit einem wirklich teuren Mercedes in die Nachrichtenredaktion. Hinein. So mit Kabumm und so. Warf seine CDs in die Ruine und beschwerte sich lauthals über den bösen Schreiberling, bis er verhaftet wurde. Natürlich wurde in der Zeitung wieder ausführlichst darüber berichtet.

So bekam die ganze Vorgeschichte nun noch ein handfestes satirisches Moment, welches sich keiner so hätte ausdenken können.  Ich musste mich fragen, ob "der Pate" die Probleme nicht doch auch ähnlich gelöst hätte...

Jedesmal, wenn ich nun so eine Gelati esse, kommt mir diese Geschichte in den Sinn... Aber an die CD kann ich mich nicht erinnern, sie wurde kein Hit.