Sonntag, 19. April 2015

Rider - kein Pausensnack, oder Montagsmaler für Fortgeschrittene

Fragt mich bitte nicht, woher der Ausdruck kommt. Als Rider bezeichnet man die technischen Bedürfnisse der Band. Dazu gehört ein Bühnenplan, eine Kanalliste und ein Teil mit den allgemeinen Informationen. Das schöne an diesem Thema ist ...

Seht selbst, der Picdump der Rider:

Ich gebe zu, das hat irgendwie Stil! Aber da kam Form vor Inhalt. Da es sich nur um eine kleine Formation handelt ist aber das Meiste selbsterklärend.


Bin ich der einzige der zwei Taucher sieht? Braucht der Sänger keinen Monitor? Fragen über Fragen.




Endlich! jetzt weiss auch ich wie eine Gitarre aussieht. Ber spielt also Gitarre, Bass und Armbrust. Nein, sorry, es ist natürlich ein E-Contrabass.

Ich, äh, bin sprachlos. Aber zum guten Glück nicht farbenblind. Zumindest weiss ich jetzt wo die Treppen hinkommen. Nur -  wieso haben die Cymbals Buchstaben??
Auch nach längerem Betrachten weiss ich noch nicht so genau, was jetzt gemeint sein könnte.


Ich habe in meinem Leben schon tausende Male Headsets benutzt, ABER NOCH NIE NIE NIE mit einer D.I., das gleiche gilt für die Harp. Immerhin brauchen sie kein Monitoring.


Ich weiss nicht, was das für eine Sprache ist. Aber dieser Rider hat alles drauf, was ich mir wünsche. Ich interpretiere den Bühnenstrom, Monitoring ist klar, ein gelungenes Beispiel! - Toetsen
sind wahrscheinlich? - Tasten, kann man mit dem Ausschlussverfahren feststellen.


Der Hutladen! Aber ganz ehrlich, da steht alles drauf, was man wissen muss! Vor allem auch eine Telefonnummer.


Mit der Zeit entwickelt man etwas Routine, wie ein Rider interpretiert werden sollte - aber je mehr Interpretationsspielraum eine Bühnenanweisung hat, desto eher liegt man dann auch falsch. Mein all time favorite ist jedoch der hier:

http://www.iggypop.org/stoogesrider.html

Auszug:

We need: one (1) monitor man who speaks good English and is not afraid of death.
{Only joking.... or am I?}.

Dieser Rider ist kein Scherz. Wir hatten Iggy Pop vor Jahren zu Gast am Blue Balls in Luzern, da kam genau dieser Rider. Zuerst haben wir uns halb totgelacht, dann haben wir uns gefürchtet, und am Ende war dann alles halb so schlimm, aber wir haben natürlich darauf geachtet, alles nach Wunsch zu erfüllen.

Was gehört den nun zwingend auf den Rider: Die aus meiner Sicht besten Beispiele findet man bei meinem Tonkollegen Rolf auf der Homepage:

http://producer.ch/HTML/riders.html

Ein guter Rider besteht klassischerweise aus drei Seiten:

1. Seite: Allgemeine technische Infos wie Mindestanforderungen über P.A., Pultspecs (Kanalzahl, Typ etc), Kontaktangaben, Erstellungsdatum (!) , Anzahl Musiker mit Namen und Funktion

2. Seite: Kanalbelegung mit Instrument, Mic, Phantompower, Micstand, eventuell Inserts.

3. Seite: Bühnenplan mit Position der Musiker, Bühnenmonitore inklusive Nummerieung, Strom (230V), und den jeweiligen Kanalnummern bei den Instrumenten.

Wenn die Band nur lokal spielt, reicht es, ihn in der jeweiligen Landessprache zu erstellen, ansonsten schreibt man ihn besser in Englisch.

Schickt mir eure interessantesten oder lustigsten Bandrider auf tonmeisterblog@gmail.com, man lernt ja nie aus!






Samstag, 4. April 2015

Soundcheck und Babys

Es klang eigentlich nach einem sehr entspannten Job. "Babysitter" nennt man das bei uns - will heissen, man betreut den Tontechniker, der mit der Band tourt und diese auch mischt. Als Babysitter bringt man die Anlage an den Start, erklärt das Setup und steht mit Rat und Tat zur Seite, wenn Fragen auftauchen.

So wartete ich also in der Venue in Zürich und da kam auch schon Jim, der Tourtechniker der Band. Wortkarg steckte er eine CD in den Player, zwei Sekunden später knallte mir Hardrock um die Ohren in einer Lautstärke, die mir fast den Unterkiefer spaltete. Ich schrie ihn freundlich an, ich würde lieber mal draussen warten und verschwand.
Nach etwa 20 Minuten kam Jim mit ernster Miene und sagte: "We do need another P.A. !" (Public Adress System - die Anlage für die Zuhörer)

Es gibt Dinge, die hat man nicht einfach so in der Hosentasche, zum Beispiel eine Beschallungsanlage für 2'000 Leute. Also wollte ich den Grund wissen für seinen Unmut.
"Diese P.A. ist viel zu schwach." (Wir reden von einer grosszügigen Hausanlage in einem der renomiertesten Clubs Zürichs) "Sie bringt nicht 130 dB SPL unverzerrt am FoH - so wie das im Band-Rider gefordert wird", "Vertragsbruch, Konventionalstrafe, keine Show... entweder neue P.A. JETZT, oder wir gehen wieder, du hast zwei Stunden Zeit..." und so weiter.

Babysitten kann anstrengend sein, vor allem wenn das Baby schreit oder einen zuscheisst. Ich hatte gerade das Gefühl, mir passiert beides gleichzeitig.

Da hilft es dann auch nichts, zu sagen, man sei nicht vom Club und könne jetzt auf die Schnelle auch nix machen usw. Der Mann hatte schlechte Laune und ich brauchte jetzt ein Argument. Ich fragte ihn also: "130 dB SPL? WELL, DO YOU KNOW ABOUT THE SWISS LAW OF 100 dB?"

Der schlecht gelaunte Mann bekam nun eine ungesunde Hautfarbe und sein Blick verriet mir, dass er von der eydgenössischen Verordnung "über den Schutz des Publikums vor gesundheitsgefährdenen Schalleinwirkungen an öffentlichen Veranstaltungen" noch nie etwas gehört hatte. Schnaubend liess er mich alleine am Mischpult zurück. Da mischt man auf der ganzen Welt eine Rockband mit 130 dB und dann kommt man in die Schweiz und soll jetzt mit 100 dB auskommen. Keine einfache Aufgabe - der arme Jim tat mir fast ein bisschen leid. Es verging einige Zeit, die ich nutzte, um den Veranstalter über unseren kleinen Lautstärke-Workshop zu unterrichten. Mir wurde aufgetragen, den Schallpegel im Auge zu behalten und einzuschreiten, falls die Grenzwerte überschritten würden. Der Babysitter wird zum Lärmpolizisten befördert - na toll...

Jim verlor kein Wort mehr darüber am Abend, mischte fantastisch und nach der letzten Zugabe zeigte der dB Meter : 100.00 dB Leq. Geht doch ;-)