Sonntag, 13. August 2017

Die Backschale

Mein langjähriger Freund Elias ist mir immer wieder ein Rätsel. Kenntnisreich aber sehr bescheiden überrascht er mich ab und an mit Dingen, welche man in keinem Lehrbuch findet (die dort aber dringend hineingehörten). Er ist nicht nur kenntnisreich, er ist Experte - zum Beispiel im Umgang mit UHF-Mics. Er ist jedoch nicht nur bescheiden, ja, ich würde fast sagen er sei etwas scheu. Selbst wenn ich ihn mit vollem Namen google finde ich nichts über ihn - bis auf einen fundierten Bericht in einem englischsprachigen Onlinemagazin, worin er Auskunft über Frequenzmanagement gibt. Andere würden sich brüsten damit, am Wacken Open Air über tausend Funkstrecken zu koordinieren, bei ihm aber reduziert sich diese Aussage zu einer Fussnote, wenn er mit mir über seine Evaluation verschiedener Frequenzmanagementsysteme spricht.
Letzthin auf einem Job sah es bei seiner UHF-City aus wie bei einem Cateringservice. Überall Backschalen.  Bereitgelegt um mit leckeren Zutaten befüllt zu werden.
Das Crew-Catering im Zürcher Hallenstadion hatte sich in den letzten Jahren zwar laufen verbessert, doch dürfte man behaupten, auch dieses verfüge noch über ein gewisses Verbesserungspotential. Dass sich mein bescheidener Freund nun jedoch stageleft ein persönliches Barbeque gönnt, hielt ich dann doch für etwas versnobbt. Ich nehme ja auf solche Jobs inzwischen auch meine eigene Kaffeemaschine mit, aber einen Grill?
Den konnte ich auch nicht entdecken, nur Backschalen. "Eliaaaas? Du sag mal, diese Backschalen??..."
Seine lapidare Antwort: "Frequenzband aufräumen"

Nun begann eine kleine Lektion in Funktechnik.
Wie wir ja alle wissen, beeinflussen sich mehrere Funkfrequenzen gegenseitig. Es entstehen bööööse Nebenbänder: Intermodulationen.

Eine einzige Frequenz auf weiter Flur ist dabei unproblematisch. Die Intermodulationen der Frequenz (f) bestehen dann einfach aus den vielfachen (2(f), 3(f) u.s.w.) derselbigen und stören den Betrieb der einen Frequenz (f) nicht weiter.

Sendet man auf zwei verschiedenen Frequenzen, wird es etwas komplizierter, jedoch bleiben die Intermodulationsprodukte noch einigermassen überschaubar. Ich hab das mal skizziert:




Etwas mühsam wird es dann mit drei oder mehr Frequenzen:
Unter folgendem Link kann man zwei oder drei Frequenzen eingeben und die Intermodulationsprodukte werden dann aufgelistet:

http://www.arcticpeak.com/radiopages/intermodulationproducts.htm


Die wenigsten von uns nutzen auf einer Bühne jedoch nur drei Funkfrequenzen für ihre Mics und In Ears und deswegen sieht dann ein Frequenzscan im UHF Bereich mit mehreren Mikrofonen schnell einmal sehr unfreundlich aus:




Die Trägerfrequenzen und die Intermodulationen kommen sich hier schon gefährlich nahe!! Ausfälle drohen. So ein Chaos aber auch...

Nun, wir haben bis jetzt immer von Frequenzen gesprochen, aber nicht von der Magnitude. Die Frequenzkinderchen werden nämlich besonders gross und starch wenn Papi- und Mamifrequenz sich räumlich sehr nahe stehen. Praktisch gesagt also genau dann, wenn sie nicht auf der Bühne sind sondern auf der Seite der Bühne auf ihren Einsatz warten. Meistens an einem zentralen Ort, damit man sie immer griffbereit hat.

Und dort entstehen die fetten Frequenzbälger. Intermodulationen sind in ihrer Stärke davon abhängig, wie nahe zueinander die emitierenden Sender sind.
Das kann man sehr einfach ausprobieren, indem man zwei Funkmikrofone nebeneinanderhält und auf einem dritten Sender in einem nahen Bereich der ersten beiden auf Empfang geht. Je näher man sie zusammenhält, desto mehr schlägt der dritte Empfänger aus.

Viel Spass dann mit 24 Funkstrecken oder mehr...

Wie dem auch sei. Wer sein Frequenzchaos neben der Bühne im Griff haben will, der benutze:
Ta- Daah: die Backschale:




Die Sendefrequenzen werden so wirksam voneinander abgeschirmt.

Der Frequenzscan von oben war ohne Backschalen, der folgende mit; gleiches Setup, ganz einfach vorher/nacher:




Deutlich zu erkennen ist, dass die Originalfrequenzen immer noch perfekt empfangen werden können. Die Nebenbänder sind jedoch gar nicht mehr als solche erkennbar.

Hier noch eine kleines ABER: Wer denkt, mit Aluschalen müsse man kein sauberes Frequenzmanagement betreiben, irrt.
Die Frequenzverteilung muss natürlich genau gleich sauber erfolgen wie früher, die Backschale hilft nur, den Empfang der verwendeten Frequenzen sicherzustellen, während andere Sender noch in der UHF-City warten.

Danke dir, Elias!


Ich denke, diese Praxis kann unsereinener schnell einmal den Arsch retten, wenn auf einer Produktion wieder einmal dutzendweise Handsender auf der Bühnenseite bereitliegen.




1 Kommentar:

  1. Großartiger Tip, danke.
    Ähnliches gilt auch wenn man mit den Sendern den Empfängern zu nahe kommt. Während normalerweise der "offizielle" Weg durch die Antennen, Vorstufen, etc. geht, kann es im Nahbereich durchaus passieren, dass der Funksender durch die Frontplatte, Potiknöpfe, etc. direkt auf die Print knallt. Daher mein bescheidener Tip: Die ganzen Sender nicht direkt neben den Receivern aufbauen, Backschale hin oder her, sondern ein wenig Abstand halten. Im Nahbereich macht ein Meter mehr schon viel aus.

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