Sonntag, 18. Juni 2017

Wie unterscheidet man gute von weniger guten Studios? 3. Teil

Mal was anderes als Studiofotos. Ich mag Alpenpanoramen im Gegenlicht.


Kinder, Kinder, ich sags euch... dieses Thema auf Blogpostlänge einzudampfen ohne nicht gerade den Informationsgehalt der BILD-Frontseite zu unterschreiten ist die bis jetzt wohl grösste Herausforderung in meinem Bloggerdasein. Meine Fresse hab ich mir jetzt den Kopf zerbrochen wie ich das schreiben soll.

Das Problem dabei ist, dass es so viele individuelle Bedürfnisse an Studios gibt, wie es Bands oder Projekte gibt. Anderseits gibt es aber auch sehr klare Kriterien, welche ich nun versuche aufzuzählen.

Gierig nach Gear:
Ein gutes Studio wahrt die Verhältnismässigkeit in den Investitionen und setzt nicht auf Effekthascherei. Es nützt nichts, wenn die billigen Mikrofonständer schon beim Anblick der schweren Röhrenmikrofone zusammenbrechen. Es bringt nichts, wenn da wunderbares Outboard vorhanden ist, aber das Routing über eine Eigenbaupatchbay der Marke "My first Lötkurs" stolpert.
Es bringt nix, wenn die schöne Hammond in der Ecke ihren letzten Ölwechsel in der Hippie-Ära hatte.
Es ist fies, aber wieso ein gutes Studio teuer ist, das sieht man nicht auf den ersten Blick. Angefangen beim Stromdesign (saubere Erdung, fetter Nullleiter etc) über eine gute Akustik ("the Millionengrab"), bis hin zu einer sauberen Audioverkabelung sind viele Dinge, die wirklich Geld kosten, in den Wänden versteckt.
Eine Klimaanlage im Studio ist etwas feines, aber wenn sie so laut bläst wie ein alter Staubsauger - oder noch schlimmer - auch so riecht, dann darf man sich getrost nach einer anderen Lokalität umschauen...

Gute Studios investieren in so langweilige Dinge wie anständige Mikrofonständer, gute Kopfhörerverlängerungen, stabile Audioadapter und dergleichen. Sie investieren in die Pflege ihres Equipments, in eine flexible, gute Beleuchtung, knarrfreie Pianostühle, geölte Hold-Pedals und so weiter.


Kommunikation:
Gute Studios sind verlässlich. Sie geben zeitnah Antwort. Nicht Endzeitnah. So innert 48 h hat man ne Antwort, spätestens. Ganz wichtig auch: man bekommt Verträge schriftlich, da steht auf Wunsch auch ein Timing drauf, zumindest aber der Zeitraum, und - jetzt kommts- der Abgabtermin der Arbeit!! Und vielleicht sogar, in welcher Form dieses Produkt dann abgegeben wird.
Wenn man als Kunde darauf keinen Wert legt, dann ist das eine Sache. Ein gutes Studio wird einem von sich aus schon alle diese Eckdaten zutragen wollen zur Absicherung beider Parteien.

Der Tonmensch (mein bescheidener Versuch, geschlechtsneutral zu formulieren):
Das Personal im Studio ist erfahren genug, die Produktion mit der nötigen Rücksicht auf Stärken und Schwächen der Musiker durchzuführen. Es ist genau so verfehlt, einfach jeden Take teilnahmslos durchzuwinken ("jaaa, passt schon...") wie jemanden zur Schnecke zu machen und dessen Part solange wiederholen zu lassen, bis des Sängers Halszäpfchen die Flucht ergreift oder dem Gitarristen das Blut von den Fingerkuppen tropft.

Ich kenne Tonmenschen, welche sich ihr Studio damit amortisiert haben, indem sie sich die Überstunden haben bezahlen lassen von Layenmusikern, die es einfach nicht besser konnten. ("Das war schon ganz gut, aber das kannst du nochmals... Take 1425 - uuuund bitte!")
Dabei haben die Kollegen jedoch ihre Menschlichkeit gegen bitteren Zynismus getauscht. In diesem Sinne kein nachahmenswertes Geschäftsmodell.

Eine ganz einfache Regel hilft hier immer: Fühlt man sich wohl, macht es Spass, kommt man einigermassen voran mit der Arbeit, dann ist dies das richtige Studio.


Der aufmerksame Leser...

das wollte ich schon immer mal schreiben! :-) Aaalso:

Der aufmerksame Leser wird sich nun fragen, woher er denn das alles wissen soll, bevor er da überhaupt gearbeitet hat.

Nun: Ich weiss nie wie gut ein Restaurant ist, bevor ich da nicht selber gegessen habe. Man lässt sich von Bekannten vielleicht gerne einmal eines empfehlen. Aber ob es mir da auch so gut schmeckt weiss ich erst, wenn ich da bin.
Wenn ich jetzt ein groossses Essen mit vielene Menschen habe, werde ich zuerst wohl einfach Probeessen gehen. Genau so würde ich das bei eineme Studio auch machen.
Einen Nachmittag das Studio buchen und Arbeit mitnehmen, die da gemacht werden kann, sei dies ein Layout, ein Overdub, ein Mixdown... Was auch immer, einfach mit einem überschaubaren Auftrag und somit überschaubarem Risiko ausprobieren, ob einem das Studio und der Tonmensch sympathisch ist oder nicht. Ob er ein Fachidiot ist oder auch noch andere Hobbies hat. Zum Beispiel Alpenpanoramen im Gegenlicht fotografieren...



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