Montag, 2. Januar 2017

48V! Wenn Phantom Power zu realen Schmerzen führt.



Vorwort für technisch interessierte:

Es gibt ja verschiedene Mikrofontypen. Dynamische-, Kondenser-  und Bändchenmikrofone, um einmal die wichtigsten zu nennen. 48V Phantomspeisung ist eine Gleichspannungsversorgung für  Mikrofone und D.I. Boxen und wird über das XLR Kabel direkt vom Vorverstärker geliefert.

Dynamische Mikrofone brauchen keine Speisung, denen ist eigentlich egal, ob 48 V anliegen oder nicht. Kondensermics erwachen aber erst zum Leben, wenn diese Speisung am Kabel anliegt und für Bändchen kann es unter Umständen zum sofortigen Mikrofontod kommen, wenn Phantomspeisung geschaltet wird (genau genommen erst dann, wenn ein TT-Patchkabel mit 48V drauf an der Patchbay gesteckt wird, wenn das Mic schon dranhängt)


Früher, also sehr viel früher, sagen wir mal vor 40 Jahren oder so, gab es noch die Tonaderspeisung. Die wurde nicht auf beide Pole der symmetrischen Signalführung (Pin 2 und 3) sondern nur auf einem geschaltet. Das war dann ein Gleichspannungsversatz von 12V - 24V, welche mit Garantie alle Mikrofontypen ins Nirvana bedörfderte ausser eben Kondenser. Der Vorteil der Phantomspeisung ist also, dass sie den dynamischen Mikrofonen nichts anhaben kann, weil sie auf beiden Pins anliegt und so für das Mikrofon unsichtbar ist - deswegen der etwas mystische Name "Phantomspeisung".
Das Problem bei dieser Speisung ist jedoch, dass es ein sehr lauter Impuls entsteht, wenn das Mikrofon angeschlossen bzw die Speisung aktiviert wird. So laut, dass der Kanal für einen kurzen Moment übersteuert wird, also ROT leuchtet. Immer! Man mutet diesen Kanal besser, ansonsten knallts.


Und nun die wahren Geschichten dazu:
Der 48V- Knall ist so ziemlich das Letzte, was ich auf einem Kopfhörer oder einer P.A. hören will. Wird sie also aktiviert oder das Mikrofon verkabelt, dann MUTET MAN IMMER DEN KANAL!!
Dumm nur, wenn der Mute auf die Prefade Monitore nicht wirkt. Dann hört man aus der Ferne den Knall von den Bühnenmonitoren.
Bei einem Kopfhörerträger ist dieser kapitale Fehler schlechter hörbar, dafür optisch einfach zu erkennen. Dem Leidtrangenden drückt es ob dem schauerlichen Pegel fast die Augäpfel aus dem Gesicht. Wenn es dumm läuft ist er für diesen Tag bedient und legt sich schlafen. Wenns dümmer läuft hat er ein Knalltrauma und die Musikerkarriere ist beendet.

Was ist schlimmer als ein 48V Knall auf der P.A.?
48 x 48V Knällers....
Da war diese etwas arrogante Tourcrew eines berühmten Sängers im Volkshaus Zürich...
Sie hatten den eigenen Support Act dabei und eigene Pulte etc. Ich war Babysitter für ein paar d&b Q1 Schnitze und hatte sonst eigentlich wenig zu tun.

Nachdem der Tourtechniker seine Lampen in die Schusslinie des P.A. positioniert hatte kam der eh schon gereizte Tourmischer auf mich zu und beschwerte sich über die (vorgängig exakt ausgerichtete) Position der Lautsprecher, da die ja viiiel zu weit oben seien und genau ins Lampenrig zielten - welches sein Kollege vorhin um 2m nach unten hatte fahren lassen.
Ich hätte daraufhin auch gerne einen fahren lassen, aber ich hielt mich vornehm zurück mit der Anmerkung, dass mich das keinen Furz anginge, zumal dies ja seine Crew so umdesignt hatte...

(Das habe ich natürlich so nicht gesagt, aber P.A. umriggen 20 Min vor Soundcheck ist irgendwie auch doof)

Die Stimmung wurde frostiger, die Zuschauer kamen, die Vorband spielte und dann beim Umbau geschah es.

Der gereizte Tourmischer vergass sein Pult zu muten. Die emsige Crew auf der Bühne steckte das analoge Multicore von Support Act auf den Main Act um. 48 x 48V knallten mit 132 fantasilliarden dB in den Saal. KAKAKAWUMM!!

(Um nochmals den Fäkalhumor zu bemühen)

Zum guten Glück sind ja die d&b Amps mit guten Limitern ausgerüstet. Es ist aber trotzdem erstaunlich, wie laut diese P.A sein kann.
In dem Moment war für meinen armen Tonkollegen der Abend gelaufen, "merde"... hörte man ihn sagen,  falls einem noch einen Rest an Hörvermögen geblieben war.

Ich sinnierte über die tiefere Bedeutung des Wortes "Karma" und kontrollierte kurz, ob meine Ohrstöpsel den Impuls gut überstanden hatten...






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