Freitag, 5. Februar 2016

Gratis arbeiten

Das Thema gratis im Studio (oder live - oder überhaupt) zu arbeiten wurde schon in diversen Foren heftig diskutiert. Wie man sich vorstellen kann, finde ich das grundsätzlich eine schlechte Idee, und zwar aus folgenden Überlegungen:

1. Es führt in den allermeisten Fällen zu nichts. Wer sich unter Wert verkauft - und "gratis" wird wohl unter Wert sein - der wird sich damit weder Respekt noch Reputation aufbauen können. Vor allem, wenn man noch nicht etabliert ist und hofft, mit dieser Massnahme einen Schritt weiter zu kommen.
Begehe nicht den Fehler und denke, das sei nun ein guter Workshop für dich selber. Die Erwartungen des "Kunden" an das Resultat bleiben ja hierbei bestehen. Es wird ja Leistung erwartet.

2. Es schadet dem Selbstwert. Wie gesagt: Was nichts kostet ist nichts wert. Vielleicht merkt man die Nachteile nicht sofort, vielleicht ist man gebauchpinselt, dass man da eine Chance bekommt, die man sonst nicht erhalten hätte.
Aber spätestens im Nachhinein geschieht folgendes: Wird die Arbeit geschätzt und der Kunde profitiert davon, dann hat man selber eine Arbeit geleistet auf deren Lorbeeren sich nun andere ausruhen können. Von den Leuten, welche sich mit viel Geschick eine Gratisarbeit von euch ergattern werden, ist genau NICHT mit Loyalität in diesem Fall zu rechnen. Sie werden davon profitieren und weiter ziehen, zum nächsten Opfer. Dieser Kunde wird dich nie mehr ernst nehmen und wieso sollte er auf einmal gut bezahlen, wenn er es schon gratis (oder viel zu günstig) bekommen hat.
Wird die Arbeit nicht erfolgreich bewertet - aus welchen Gründnen auch immer - hat man zum Schaden auch noch das Unglück.

3. Es macht den Markt kaputt. Ok, der Markt ist schon kaputt. Vor allem der Musikmarkt, der ja mehr einer Tauschbörse oder einem Gratis- Selbstbedienungsladen gleicht. Ok, Musik ist nichts mehr wert. Ok, die Künstler darben sowie alle, die auch mit dranhängen. OK OK OK. Wir haben es verstanden. Aber deswegen müssen die Beschäftigten am Ende der Nahrungskette ja nicht für Gottes Lohn arbeiten.
Tut euch selbst und allen Arbeitskollegen einen kleinen Gefallen und dumpt euch nicht gegenseitig in Grund und Boden. UND ARBEITET SCHON GAR NICHT GRATIS.

4. "Man muss halt investieren, um weiterzukommen. Von nichts kommt nichts." Ein beliebtes Argument für Gratisarbeit.
Würde ja bedeuten, man hätte noch nicht vierstellige Beträge (natürlich nach oben offen) in Soft- und Hardware investiert, Wochen mit dem Einrichten eines Arbeitsplatzes und Jahre mit dem Erwerb seiner Fertigkeiten verbracht.
Man kann dieser Logik jedoch ein Stück weit folgen unter gewissen Bedingungen.
Besteht ein gegenseitiges (!) Interesse an einer grösseren Zusammenarbeit, bin ich bereit, einen Tag zu investieren, damit man ausprobieren kann, ob die Chemie stimmt. Dies gilt für beide Seiten.
Wird das Resultat verwendet, bezahlt der Kunde zumindest einen Teil dieser Arbeit. Sieht er davon ab, wars das. Dasselbe gilt für das Thema "Probemix"...

Wichtig dabei ist, dass dieser Deal immer VOR der Arbeit geklärt wird.


Es gibt also Ausnahmen, da arbeite auch ich gerne gratis. Das fühlt sich aber nicht wie eine Investition an, sondern wie eine Spende. Man erwartet nix zurück, macht es für einen langjährigen Freund oder ein unterstützenswertes Projekt, für welches man auch Geld spenden würde, oder einfach aus purem Spass. Ganz einfach.
Dies ist auch der Grund wieso ich lieber gratis arbeite als zu einem schlechten Preis. Ein Geschenk ist ein Geschenkt, und ich wähle, wer es bekommt. Ein schlechter Deal schwächt meinen Marktwert. Rabatte bleiben Rabatte, sie können den ideellen Wert eines echten Geschenkes niemals aufwiegen.

Wer gratis arbeitet und es mit Freude tut ohne irgendetwas zu erwarten, der darf das natürlich. Volontariate können einem auch eine Genugtuung bieten, wenn man darin einen tieferen Sinn sieht. Dann ist es ein Dienst am Nächsten, Entwicklungshilfe, ein Hobby, oder was auch immer.

Aber wer nur leise daran denkt, dass eigentlich eine Entschädigung fällig wäre für die eigene Leistung- und sei es nur ein Früchtekorb - der soll auf die innere Stimme hören und VOR der Arbeit den Deal abschliessen. Entweder freiwillig schenken oder fair handeln, aber sich ausnutzen lassen hat noch nie jemandem etwas gebracht.

Auf die Idee zu diesem Post hat mich Tony Maseratis Vlog gebracht. Hier der Link.

https://mixwiththemasters.com/video/working-free